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Sommer

Karwendelmarsch – Die Legende lebt

18. September 2017

Dieses Jahr hat Blogger und Gastautor Manuel Kluibenschädl den legendären Karwendelmarsch bewältigt. Eine Glanzleistung und einzigartige Erfahrung, auf die man stolz sein kann. Für uns hat er diesen Tag noch einmal Revue passieren lassen und nimmt uns mit auf den Karwendellauf:

52 km sind nicht die Kilometer einer netten Radtour um die Olympiaregion Seefeld und 2.281 hm sind auch nicht die Höhenmeter auf einen unserer wunderschönen Berge – Nein, das sind die Eckdaten des Karwendellaufes. Von Scharnitz bis nach Pertisau am Achensee zieht sich dieser legendäre Lauf durch das Karwendelgebirge. Wie man zu dazu kommt, wie ich mich darauf vorbereitet habe und wieso man sich sowas „antut“ 😉 gibt’s in den kommenden Zeilen zu lesen.  Natürlich auch mit Informationen zur Strecke, persönlichen Eindrücken und wie es mir so ergangen ist!

Der erste Start: Karwendelmarsch

Es war heuer meine erste Teilnahme am Lauf, meinen ersten Kontakt mit dem Karwendellauf hatte ich 2016 bei der Teilnahme am Marsch. Ich würde mich selbst als „Bergfex“ bezeichnen, trotzdem hatte ich keine Vorstellung, was mich erwarten würde. Ende August 2016 war ich dann um einiges schlauer. Die Eindrücke und Emotionen, die das Karwendelgebirge und der Marsch hinterlassen haben, waren sensationell. 2017 gab es für mich daher nur ein Ziel: Ich muss wieder dabei sein!

Herausforderung Karwendellauf: Die Vorbereitung

Nachdem ich gerne die Herausforderung suche, war diesmal die Laufklasse angesagt. Die Karten waren wieder „ratzfatz“ ausverkauft, doch ich hatte Glück und konnte eine ergattern. Jetzt musste also die ein oder andere Trainingseinheit her. Praktischerweise gibt es bei uns in den Bergen sehr viele Wanderwege, die sich gut fürs Trailrunning eignen. Mein Motto im Juli und August war also: „Lauf Forrest ähhhh Manuel, lauf“!

Karwendellauf: Start in Scharnitz

Am 26.08.2017 war es dann endlich soweit: Um 4 Uhr früh ging der Wecker, aber ich war natürlich schon davor wach – die Nervosität lässt grüßen! 😉 Schnell anziehen, kurz frühstücken und ab nach Scharnitz. Dank der super Organisation waren Parkplatzsuche, Startnummernausgabe und Abgabe vom Rucksack im Handumdrehen erledigt. Fast 5000 Füße (also 2500 Teilnehmer) warteten angespannt im Startgelände, man konnte das Adrenalin förmlich riechen.  Die Gänsehautstimmung war unbeschreiblich! Pünktlich wie der Glockenschlag des BigBen wurde dann in Tiroler Tradition um 6 Uhr die Kanone gezündet. Bereits nach 5-10 km zeigte sich das Karwendelgebirge in seiner Schönheit. Die ersten Sonnenstrahlen kamen über die Berge und aus der schmalen Straße im Wald wurde ein wunderschöner Weg entlang von saftigen Wiesen, Wasserfällen und kleinen Gebirgsbächen.

Die Strecke: Es wird anspruchsvoller

Nach ca. 15 km wird es das erste Mal anstrengend, der Anstieg zum Karwendelhaus muss überwunden werden. Oben angekommen wartet bereits eine der vielen Labestationen, ohne die man wohl solch eine Distanz nie schaffen würde. Nochmal kurz die Landschaft genießen, dann geht es abwärts zum kleinen Ahornboden und weiter zur Falkenhütte. Bis kurz vor die Falkenhütte lässt sich die Strecke sehr gut laufen, die letzten Kilometer werden aber richtig steil. Hier heißt es für mich umschalten in den „Wandermodus“.

Tipp: Man sollte sich auch immer die Zeit nehmen und einmal retour blicken:

Schnell die Akkus bei der Labestation mit den leckeren „Bio von Berg“ Produkten (probiert unbedingt die selbstgemachten Müsliriegel!) aufladen und schon geht’s weiter durch die traumhafte Bergkulisse. Das nächste Ziel ist die Eng, die „Marschteilnehmer bis 35km“, haben es dann überstanden.

Die Strecke: Jetzt wird’s nochmal hart

Der Anstieg auf die Binsalm (1.502 m/ 38,37 km) weiter auf den Gramai Hochleger (1.756 m/41,52 km) steht bevor. Dieser letzte Anstieg mit den letzten Höhenmetern fordert nochmal alles aus den Oberschenkeln. Oben angekommen zeigte meine Uhr eine Distanz von ca. 42 km, ein Marathon wäre jetzt geschafft. Aber der Karwendelmarsch wäre keine Legende, wenn er nicht noch eines draufsetzen würde: Ganze 10 Kilometer, vorbei an der Gramaialm (1.263 m/44,5km) und der Falzturn Alm (1.098 m/48,18 km) liegen noch vor mir. Das traumhafte Wetter und die umwerfende Berglandschaft geben einem nochmal Energie für den letzten Abschnitt.

Willkommen am Achensee

Die letzten 5 km fühlten sich wie eine halbe Ewigkeiten an, aber das super Publikum trug mich förmlich über die Ziellinie. Nach 6,25 h hatte ich eine der größten Herausforderungen in diesem Jahr geschafft. Es war ein unglaubliches, aber auch schmerzendes Gefühl: Langsam fingen die müden Füße und Beine an zu glühen! Doch das Bier in der rechten, die Medaille in der linken Hand und der Stolz, es geschafft zu haben, ließen die Schmerzen schnell vergehen.

In Pertisau wird man weiter bestens versorgt, um den müden Körper wieder aufzufüllen.

Eine frische Dusche, kühle Getränke, leckeres Essen bei verschiedenen Ständen bis hin zu einer wohltuenden Massage warten auf die Teilnehmer. Ein DJ heizte die ohnehin super Stimmung im Zielgelände zusätzlich an. Vor der Heimreise mit dem Shuttlebus lies ich es mir natürlich nicht nehmen, kurz in das smaragdfarbene Wasser des Achensees zu hüpfen… Erfrischung pur und sehr empfehlenswert!

Für mich war es ein unbeschreiblicher Tag, voller Emotionen von Schmerzen, Stolz bis hin zu totalen Glücksgefühlen. Das wunderschöne Karwendeltal, das motivierende Publikum, die netten Helfer und die unglaubliche Gruppendynamik machen dieses Event zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Danke nochmal an die Organisatoren und Helfer für dieses geniale Event.

Gratulation an alle, die dabei waren – Wir sehen uns 2018 wieder!

Viele werden sich noch fragen, warum man sich sowas antut? Um den inneren Schweinehund besiegen? Um besser zu sein als andere? Als Motivation für das Training?

Ich beantworte das am liebsten mit Bildern:

Weitere Informationen:
Karwendelmarsch

auch sehenswert:
A Yearning for space

 

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