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Winter

Und dann kommt alles anders, als man denkt.

6. Februar 2018

Mark Rajack ist 36 Jahre alt. 2012, also mit 30, stand der Doppelstaatsbürger aus Trinidad Tobago und Kanada das erste Mal auf Langlaufskiern. Alles begann mit einem Zufall. Diesen Zufall machte der junge Mann zu seinem Beruf: Inzwischen ist Mark Profi-Langläufer und seit kurzem unser Nordisches TVB-Patenkind der Olympiaregion Seefeld.

Ein Langläufer der besonderen Klasse

Wenn man ihn sieht, kann man die Geschichte, die hinter dem Mann und seinen Skiern steckt, eigentlich kaum glauben. Durchtrainierte Beine, die mit den Brettern, die die Welt bedeuten, im Einklang sind. Geschmeidig, und kaum als Kraftakt wirkend, schwebt er förmlich über die Langlaufloipen – kein Anzeichen mehr davon, dass ihm das lange Zeit völlig fremd war. Mark Rajack lebte in Trinidad Tobago bis er sechs Jahre alt war. Dann zogen seine Eltern aufgrund eines Jobangebots gut 4.000 Kilometer nördlicher, nach Ottawa, Kanada. Doch der Umzug in das winterliche und verschneite Kanada ist noch lange kein Grund, Langlaufen zu lernen. Es dauert noch fast 30 Jahre bis die Zeit dazu für Mark reif ist.

Langlaufschüler mit 30+

Doch eines Tages war es so weit: Mark stand auf den Skiern und aus einem tollpatschigen ersten Mal wurde eine große Liebe: „Ich hatte absolut keine Technik, es war kalt, das falsche Wachs war auf den Skiern und es fühlte sich an wie auf rohen Eiern.“, erzählt uns der Sportler, als wir ihn in Seefeld zum Interview treffen.

Doch durch Freunde die beim XC Ottawa waren und ihm „Ski Nachhilfe“ gaben, lernte Mark im Handumdrehen Langlaufen – und entdeckte auch die Liebe zu diesem Sport. „Es dauerte drei, vier Monate bis die Idee in meinem Kopf war, dass ich doch eigentlich für Trinidad Tobago als Langläufer an den Start gehen könnte.“ Diese Idee ging dem jungen Sportler nicht mehr aus dem Kopf und wurde zum fixen Ziel in seiner noch jungen Langlaufkarriere.

Langläufer im Nationalteam für Trinidad Tobago

Eineinhalb Jahre später war es soweit: Mark wurde Rennläufer für das Nationalteam von Trinidad Tobago. Jeder, der den Film „Cool Runnings, eine jamaikanische Bobmannschaft“ oder „Eddie The Eagle“ gesehen hat, muss nun wohl unweigerlich schmunzeln. Der nächste Glückstreffer war die zufällige Begegnung mit seinem heutigen Trainer Mike Vieira. Mark hatte keine Ahnung, wer der erfolgreiche Langlaufcoach ist. „Was soll ich von dir lernen, was mir andere nicht beibringen können?“, fragte er ihn am selben Abend im Spaß. Vieira nahm die Herausforderung an. „Gib mir eine Stunde. Wenn du nach dieser nichts gelernt hast, dann siehst du mich nie wieder“, lautete der Deal. Bereits nach 20 Minuten reichte die Kondition nicht mehr aus und Mark bettelte um weitere Trainingseinheiten. Kein Wunder also, dass die beiden seither ein starkes Team sind.

Das Ziel nie aus den Augen verlieren

Somit machte sich Mark an die Arbeit. Das Ziel für 2014 war es, „richtig“ Langlaufen zu lernen und lokal an Rennen – zum Schluss wurde es der North America Cup – teilzunehmen. 2015 lag der Fokus darin, das 300 FIS Punkte-Limit zu knacken: belohnt wurde er mit der Teilnahme an der FIS Nordischen Ski-WM in Falun! 2017 ging es weiter zur Nordischen Ski-WM nach Lahti. Sein Trainer bemerkte stolz, dass er immer weitere Fortschritte zeigte: Mark „nahm nicht nur Teil“, sondern begann aktiv wett zu kämpfen und schaffte es sogar schon Athleten zu überholen. Sein unermüdlicher Eifer, seine Mühen, Trainingseinheiten und Aufzeichnungen bringen ihn immer weiter und haben auch uns bewogen, ihm eine weitere Chance zu ermöglichen.

Patenkind Mark Rajack

Geschäftsführer der Olympiaregion Seefeld Elias Walser war von dem jungen Sportler sofort begeistert. „Wenn man sieht wie viel Aufwand Mark Rajack auf sich nimmt, damit er Langlaufen kann, dann unterstützen wir ihn gerne. Genau solche Geschichten machen den Sport aus und sind genauso beeindruckend wie die Leistungen der Sieger“, ist Walser überzeugt. Nicht jeder Mensch hat die Möglichkeit solch perfekte Bedingungen vor der Haustüre zum Trainieren vorzufinden, wie wir hier in Seefeld.

Unterstützung von allen Seiten

Der Tourismusverband Seefeld ermöglichte Mark Rajack somit den Start beim Seefeld Nordic Weekend (Weltcup Nordische & Langlauf als Testlauf für die FIS Nordische Kombination Ski-WM 2019 in Seefeld).
Untergebracht ist Mark mit seinem Trainer im Hotel Seespitz in Seefeld. „Als Mark sein Zimmer gesehen hat, war er total angetan“, erzählt uns Geschäftsführer Vinzenz Triendl. „Natürlich hätten wir die Zimmer gerade in dieser Zeit teuer vermieten können, doch einem jungen motivierten Sportler, der seine Träume verwirklichen will, dem hilft man doch gerne mal.“

In Seefeld angekommen, ist der Sportler von unserer Region mitten in den Alpen angetan. „Man kann alles zu Fuß erreichen, das ist unglaublich“, schwärmt Mark. Doch eines der schönsten Erlebnisse ist etwas, das uns oft gar nicht mehr auffällt:

„Hier gehen normale Menschen, also keine Profisportler, mit Langlaufskiern unterm Arm spazieren. So etwas gibt es bei uns nicht.“ Das Gefühl, dass Jedermann in der Region Langlaufen kann, egal wie schnell oder gut er ist, das ist für Mark etwas Besonderes. Ebenso, ergänzt Trainer Mike, dass man hier 40 Kilometer am Stück laufen kann. „Also, das kann man natürlich bei uns in Kanada auch. Aber da läufst du dann eine Runde im Kreis. Im Wald. Hier läufst du, wenn du möchtest, von Ort zu Ort und kannst dazwischen auch noch in gemütlichen Hütten am Loipenrand Kaffee trinken. Traumhaft.“, schwärmt er.

Auf der Spur internationaler Top Athleten

Die Vorfreude auf Tag x steigt ins Unermessliche. Er ist sich bewusst, dass der Start in Seefeld ein absolut einzigartiges Erlebnis sein wird. Am Samstag, beim Massenstart der Männer, darf er an den Start gehen und seine persönliche Erfolgsgeschichte niederschreiben.

Doch dann kommt alles anders

Doch das Leben wäre nicht das Leben, wenn es uns nicht manchmal einen Strich durch die Rechnung machen würde. Mark Rajack kann am Samstag nicht an den Start gehen. Eine Lebensmittelvergiftung und eine Grippe zugleich legen den Sportler komplett lahm. Infusionen und Medikamente statt Langlaufski und kein Start beim Weltcup in Seefeld. Für Mark bricht beinahe eine Welt zusammen. So sehr hat er sich auf seinen Auftritt in Seefeld gefreut. Es gilt sich wieder zu sammeln und den Optimismus nicht zu verlieren: „Hoffentlich kommt ein neuer Tag, an dem ich eine neue Chance bekomme, dass ich so einen Wettkampf live miterleben darf.“

Der junge Sportler blickt nach vorne und tröstet sich mit seinem ganz persönlichen Lebensmotto. Bei Mark geht es nämlich nicht um das eine Ziel, das er ein Leben lang verfolgen will oder wird. „Vielmehr geht es um jeden einzelnen Moment auf dem Weg dorthin: jedes Training, das Spaß macht, jeder Glücksmoment, der dein Herz springen lässt. Das alles ist viel mehr wert und macht unterm Strich viel mehr mit dir als vielleicht ein Start, ein Sieg oder ein Ziel.“

Dennoch überwiegt im Fall von Seefeld die Enttäuschung. Jeder, der am Weltcup Wochenende hautnah mit dabei war, hat es gespürt: Nach den unglaublich spannenden Darbietungen in den vergangenen Jahren, hielt das Event auch heuer wieder was es versprach. Nervenkitzel pur, als die Athleten in der Arena um den Triple-Sieg kämpften. Doch damit nicht genug: zum ersten Mal seit 1999 hieß Seefeld wieder Speziallangläufer zu einem Weltcup herzlich willkommen. Bei einem Sprint am Samstag und einem Massenstartrennen am Sonntag liefen die internationalen Top Athleten im freien Stil um die Podiumsplätze. Heuer leider noch ohne Mark Rajack für Trinidad Tobago am Start. Jedoch, aufgeben gibt’s nicht: #RoadtoSeefeld2019 – so lautet der Weg und sein persönliches Motto.

„Weil er nie aufgibt und somit ein Vorbild für jeden einzelnen Menschen ist.“, erklärt uns Elias Walser, „deshalb alleine freuen wir uns schon, Mark Rajack als „Patenkind“ unserer Olympiaregion Seefeld zu haben.“

Es sind nicht die offensichtlichen Umstände, die über dein Leben entscheiden, sondern das, was du daraus machst. Tu was, dann tut sich was! Besser kann man es nicht zeigen.

Auf ein Neues, Mark!

Fotos: Bettina Friedrichs

 

 

 

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