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Winter

Es lohnt sich, brav zu sein…

6. Dezember 2017

An diesem Tag weiß man wieder: es lohnt sich, das ganze Jahr über nett zu sein. Denn bei vielen sind sie gefürchtet, die großen, haarigen Begleiter des Nikolaus, die Krampusse. Am 05.12. ist Krampustag und auch in unserer Region lebt die Tradition des Krampuslaufens und der Perchten wieder auf. Den großen Höhepunkt bildet die Krampusshow am 08.12. in Seefeld.

Krampuslaufen als Tradition

Zugegeben, ich bin fast immer brav, aber kennt ihr es auch? Das mulmige Gefühl in der Magengegend, wenn der 05.12. immer näher rückt. In der Ferne hört man bereits die dumpfen Glocken der Krampusse. Allein dieser Klang und der Gedanke daran, den haarigen Zottelwesen bald Aug in Aug gegenüberzustehen, lässt mich erschaudern. Und es wird natürlich noch gruseliger, je näher mir die zotteligen Gestalten kommen. Schleichend, gebückt und bedrohlich die einen, die anderen laufen wild umher und treiben so meinen Puls in die Höhe. Versteckt an der Hand meines Freundes werde ich da im Handumdrehen wieder zum kleinen 5-jährigen Mädchen.

Der Krampus ähnelt in seinem Aussehen dem Teufel ebenso wie mystischen Tiergestalten, die sich als „Schirchperchten“ im alpenländischen Brauchtum finden. Im Unterschied zu diesen, die in den Rauhnächten laufen, gehören die Krampusse aber ausschließlich zum Adventbrauchtum.

Woher der Krampus kommt…

Die Gestalt des Krampus stammt ursprünglich – wie auch viele andere dämonische Gestalten des Alpenraumes – aus der vorchristlichen Zeit. Der Name Krampus kommt aus dem mittelhochdeutschen. Krampen ‚Kralle‘ bedeutet dort so viel wie etwas Lebloses, Vertrocknetes, Verblühtes oder Verdorrtes. Im Tiroler Raum spricht man häufiger von Krampelern, Tuifln oder Tuifltratzen, abgeleitet vom Begriff Teufel.

Krampuslarve & Fell

Obwohl es sich kaum ein Erwachsener eingestehen würde: sie sind nicht nur bei den kleinsten Mitmenschen gefürchtet.
Doch zugegeben: bis man das „Outfit“ des Krampus beisammen hat, ist man einige hunderte Euro los und hat aber etwas, das ein Leben lang hält.

Doch was gehört zu einem richtigen Krampus?

Wichtig ist die Maske oder auch Larve. Traditionell besteht diese aus Zirben- oder Lindenholz.  Natürlich kann man sich seine Traummaske beim Schnitzer anfertigen lassen. Heutzutage gibt es aber auch viele Krampusse, die eine Aluminium-, Kunststoff- oder Gummimaske tragen. Jedenfalls krönen das Haupt zwei Hörner, meistens echte Ziegenbock-, Steinbock oder Widderhörner. Das Genick und der Hals werden mit Fell überzogen. Gesehen wird durch zwei schmale Schlitze unterhalb der Nase. Ein Brillenträger hat es unter der Maske aus Platzgründern schwer, denn meistens muss man auf den Sehbehelf verzichten und auf Kontaktlinsen zurückgreifen, oder einfach mal „ins Schwarze“ laufen.
Der Mantel oder Hosenanzug der Teufel besteht aus Schaf- oder Ziegenfell und riecht dementsprechend streng. Doch neben dem Geruch hat der Mensch, der unter dem Anzug steckt auch einiges an Kilogramm zu tragen: je nach Fell kann die Verkleidung bis zu 30 Kilogramm auf die Waage bringen. Anziehen ohne Hilfe, Fehlanzeige.

Am Gürtel oder durch einen Gurt am Rücken werden noch Kuhglocken oder Balkenglocken angebracht. Manchmal wird auch eine Kette zum Rasseln verwendet. Diese Geräusche verursachen, wie ich schon erwähnt habe, bereits den ersten Schauer, der über den Rücken läuft.

Der Schweif der Krampusse besteht meist aus einem Rossschweif. Mit seinem Schweif oder einer Birkenrute jagt der Krampus den Zuschauern Angst und Schrecken ein. Und auch die ein oder anderen brennenden Kniekehlen.

Hausbesuche und Krampusshow

Seit etwa dem 17. Jahrhundert sind die Krampusse Teil des Einkehrbrauches. Begleitet von den Schreckgestalten prüft und beschenkt der Nikolaus die braven Kinder, während die unartigen vom Krampus bestraft werden.

Der Krampustag ist der 05. Dezember. Normalerweise laufen die Gruppen auch nur bis zum 06., dem Nikolaustag. In der Olympiaregion Seefeld ist die Krampusshow am 08. Dezember somit eine Ausnahme. Einfach, weil sie etwas ganz besonderes ist.

Wer Brauchtum hautnah erleben will, ist hier also genau richtig: Nirgends sonst wird so eine umfangreiche und tolle Show geboten. Ein einzigartiges Spektakel, das man nicht verpassen sollte. Denn zehn verschiedene Krampusgruppen aus Tirol und Südtirol bevölkern von 19.00 bis 20.30 Uhr die Fußgängerzone rund um den Adventmarkt. Mit ihren handgeschnitzten, furchteinflößenden Masken und einer eindrucksvollen Choreografie interpretieren sie althergebrachte Traditionen neu. Ein wohliger Schauer bei einem mystischen Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Weiterführender Link:

Große Krampus „Tuifl“ Show

Fotos: Heinz Holzknecht, Toni Hiltpolt

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