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Winter

Rainer Renauer und der Kaiser Maximilian Lauf

12. Januar 2018

Der Kaiser Maximilian Lauf in der Olympiaregion Seefeld ist ein Langlaufrennen mit Kult-Faktor: Es ist der ultimative Wettbewerb, der Profisportler und Amateure zusammenbringt. Wir haben mit dem Seefelder Frisör und Hobbysportler Rainer Renauer gesprochen, der auch dieses Jahr wieder dabei sein wird. Aber so ganz ohne Leistungsdruck! Ein ehrliches Interview über Motivation, den Leistungsgedanken im Amateursport und warum viel mehr Hobbysportler an Wettbewerben teilnehmen sollten.

Rainer Renauer: Ein facettenreicher Charakter

Der waschechte Tiroler Rainer Renauer ist eine faszinierende Persönlichkeit: Er ist erfolgreicher Frisör, Visagist und Stylist in Seefeld und lichtete seine Kunstwerke bereits bei internationalen Fashionevents in Mailand, Paris und Co. ab. Neben diesen Berufen lebt er sich sportlich gerne aus – so ganz ohne Leistungsgedanken und Druck, sondern einfach für die Freude am Sport. Ein inspirierender Gedanke, mit dem er auch andere Freizeitsportler zu Wettbewerben wie dem Kaiser Maximilian Lauf motivieren möchte.

Die Motivation

Wir haben ihn gefragt: „Was ist deine Motivation, beim Kaiser Maximilian Lauf teilzunehmen?“. Rainer gefällt vor allem, dass es ein Volkslauf ist, an dem jeder teilnehmen kann. Doch er bedauert, dass im mitteleuropäischem Raum die Leistung immer im Vordergrund steht. In anderen Ländern wie in Skandinavien sind dagegen das „Dabeisein“ und der Spaß viel wichtiger. Es geht nicht darum, ob man der Erste im Ziel ist, sondern dass man überhaupt teilgenommen hat. Rainer hat da neulich einen guten Spruch im Radio gehört: „Immerhin bin ich immer noch schneller als die, die Zuhause auf dem Sofa liegen!“

Kann jeder am Kaiser Maximilian Lauf teilnehmen?

Der Kaiser Maximilian Lauf ist – vor allem durch die Höhenmeter – schon sehr herausfordernd. Doch das soll nicht heißen, dass nur Profis ihn bezwingen können! Rainer hat in den letzten Jahren schon Erfahrung gesammelt und erklärt: „Ein halbwegs trainierter Hobbysportler braucht sich nicht zu sehr fürchten.“ Und nennt zwei beeindruckende Beispiele: Während der letzten Wochen trainierte er mit einem Amateur, der das Langlaufen gerade erst richtig lernte. Er ist nun aber beim Kaiser Maximilian Lauf für die 30-Kilometer-Distanz angemeldet – beachtlich! Ein anderer Hobbysportler, den Rainer kennt, fing erst im Dezember an zu trainieren und schaffte den Lauf in unter drei Stunden. Eine stolze Leistung! Diese Beispiele sind doch eine großartige Motivation für alle, die sich bisher nicht getraut haben.

Tipps und Anregungen für die Vorbereitung

„Wie bereitet man sich am besten auf solch einen Lauf vor?“, wollten wir gerne wissen. „Natürlich vor allem durch regelmäßiges Training“, ist Rainers Antwort. Das gefällt ihm nämlich am besten: Dass man stets sportlich etwas tut. Seine Philosophie: Der Weg ist das Ziel.

Für alle motivierten Freizeitsportler hat Rainer ein paar wertvolle Tipps:

„Der Sommer ist in der Vorbereitung eine wichtige Zeit: Bergtouren bilden die Basis und bauen eine gute Beinmuskulatur auf.“  Nur im Winter zu trainieren, reicht nicht aus. Aber nicht nur die Beine wollen trainiert werden, auch den Oberkörper, die Oberarme und Schultern darf man nicht vernachlässigen. Im Winter hilft es dann, ein paar lange Einheiten einzulegen: „Man sollte ein 6- bis 7-Stunden-Training schaffen, da während des Laufes viele verschiedene Muskelgruppen gefordert werden.“. Für alle, denen lange Trainingseinheiten noch Angst bereiten: „Bei circa acht Stunden gleicht eine Sporteinheit einer Art Meditation“, so Rainer.

Er empfiehlt auch, dass Anfänger zu Beginn vor allem mit anderen Anfängern trainieren. Denn vor allem, wenn Anstiege bewältigt werden müssen, sind die Fortgeschrittenen schneller, was für beide frustrierend sein kann.

Von guten und von schlechten Erfahrungen

Der diesjährige Lauf ist nicht das erste Rennen für Rainer Renauer und seine Trainingspartnerin Elfi. Vor einigen Jahren fragte er sie, ob sie ihn beim Euroloppet Ganghoferlauf anfeuern würde – doch ihre Antwort war überraschend: „Ich feuere dich nicht an, ich laufe mit dir!“. So nahmen die beiden ohne vorheriges Training an dem Großevent teil. Obwohl sie so ziemlich die letzten im Ziel waren, waren sie anschließend glücklich und froh, mitgemacht zu haben!

Rainers schlimmstes Rennen war übrigens ein 12-Kilometer-Lauf. Die kurze und intensive Belastung liegt ihm weniger und sein Körper war noch eine Woche nach dem Rennen müde.

Geht nicht? Gibt’s nicht!

„Wenn man etwas unbedingt will, dann geht sehr viel“, sagt Rainer. „Der Mensch steht sich nur selbst im Weg.“. Schon oft hat er in seinem Leben gehört: „Das geht nicht!“. Aber akzeptieren tut er diese Aussage nicht.

Das war jedoch nicht immer so: Als Kind hat Rainer sich selbst immer zu wenig zugetraut. Im Sportunterricht gehörte er zu den Kindern, die als letzte ausgewählt wurden. Mit 20 Jahren änderte sich dann allerdings alles, als er im Bundesheer mit dem Sport begann. Dort merkte er, dass der Ausdauersport ihm sehr wohl liegt. Und eben dieser Sport hat ihm etwas Wichtiges gelehrt: „Man sieht, wie man selbst etwas wandeln kann“.

Der Leistungsgedanke

„Der mitteleuropäische Raum ist zu leistungsorientiert“, bedauert Rainer. Er hört oft von anderen Hobbysportlern: „Ich tue es mir nicht an, Letzter zu werden oder im letzten Drittel zu sein“. Rainer dagegen ist die Zeit völlig egal: Er weiß nicht einmal, welche Zeit er letztes Jahr beim Kaiser Maximilian Lauf gelaufen ist. Das spielt auch keine Rolle: Er war mit Leib und Seele dabei! Es hat ihm sogar so gut gefallen, dass er sich schon im April für das nächste Jahr wieder angemeldet hat.

Für alle, die nun auch Feuer gefangen haben und bei einem Langlauf-Wettbewerb teilnehmen möchten: Heuer versucht Rainer, für den Euroloppet Ganghoferlauf am Ende der Saison eine Gruppe von Sportlern zu animieren, den Lauf in 2 bis 2 ½ Stunden zu laufen – so hat man immer noch jemanden, der später oder gemeinsam mit ins Ziel läuft!

Weg vom Leistungsgedanken und hin zu einem Volkslauf voller Spaß und Freude – das würde Rainer sich wünschen. Und spricht damit sicher auch vielen anderen Hobbysportlern aus der Seele!

Wir wünschen Rainer Renauer und allen Hobbyathleten, Profisportlern und Zuschauern einen erfolgreichen Lauf mit viel Spaß und Freude!

Interview: Laura Zobernig

Text: Tessa Mellinger

Fotos: Rainer Renauer, Peter März, Stefan Elsler

Weiterführende Links:

Event Kaiser Maximilian Lauf

 

 

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