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Winter

Pita Taufatofua

6. Februar 2018

Viele Athleten kommen zum Training in die Olympiaregion Seefeld und um sich auf Wettkämpfe vorzubereiten. So auch Pita Taufatofua, den wir in Leutasch zu einem kurzen Gespräch während einer Trainingspause treffen durften.

Pita Taufatofua (34 Jahre) kommt aus Tonga. Das ist eine Inselgruppe nordöstlich von Neuseeland. Das Einzige, was dort weiß flimmert, sind die Sandstrände – jedoch kein Schnee. Dennoch war Pita 2018 der erste Teilnehmer auf Ski bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang für Tonga.

Ein Taekwondoka auf Skiern

Das Kuriose ist: Pitas eigentliche Sportart ist Taekwondo (Schwergewicht). Dort ist er kein unbeschriebenes Blatt: Im Februar 2016 qualifizierte er sich für die Olympischen Sommerspiele in Rio und sorgte für Furore, als er bei der Eröffnungsfeier im traditionellen Outfit und mit eingeöltem Oberkörper die Fahne seiner Mannschaft trug. Dabei zeigte er der Welt seine Muskeln. Pita wurde zur Berühmtheit und Social Media Sensation. Die Zahl seiner Follower auf Facebook und Instagram schoss von 0 auf über 150.000.

Taekwondo war nicht genug

Nach den Sommerspielen von Rio kam der königliche Skiverband von Tonga auf ihn zu und es dauerte nicht lange, da konnte Steve Grundmann (Sportdirektor Tonga Ski Team) Pita von der Idee und der Herausforderung überzeugen. Denn der Verband war noch auf der Suche nach einem männlichen Langläufer. In der Kürze der Zeit musste man sich anderer Sportarten bedienen und da fiel die Wahl auf Taekwondo.

Kurz geträumt, da wurde das Ziel sofort definiert: „Ich möchte der erste Tongaer sein, der sich sowohl für Sommer- als auch Winterspiele sportlich qualifiziert“ sagt Pita Taufatofua. Damit hat sich das Muskelpaket einiges vorgenommen, denn vor zwei Jahren (2016) sah Pita zum ersten Mal Schnee. „Das war ein Erlebnis“, erinnert er sich. „Ich mag Schnee. Mittlerweile.“

Nur ein Jahr nach der kühlen Bekanntschaft (2017) begann er zu träumen: er wollte Skilangläufer werden. „Okay, man muss ein bisschen verrückt sein, um auf diese Idee zu kommen“, gibt der Sportler zu, als wir ihn in Leutasch treffen. Dort trainierte er nämlich bis kurz vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang – auf Langlaufskiern, denn die Qualifikation hatte er eine Woche zuvor geschafft.

Die Transformation: Vom Taekwondoka zum Langläufer

Als erstes hieß es: abnehmen, denn mit 98 kg (Schwergewicht) waren das einige Kilo zu viel für einen Langläufer, der sich über einige Kilometer und Anstiege quälen muss. 15 Kilogramm Muskelmasse nimmt Pita über den Sommer 2017 ab. Mit einer Ernährungsumstellung, anderem Training und vor allem eiserner Disziplin gelingt es Pita seinen Körper umzustellen und sein Traum rückt immer näher. Auf Rollerskiern trainiert er in seiner Heimat Tonga & Australien.

2017 der erste Test: FIS Nordische Ski WM Lahti 2017

Alle Augen waren bereits bei diesem Großereignis in Skandinavien auf ihn gerichtet, da der als „Rio-Boy“ bekannte Pita nun als Langläufer an den Start ging. 1,5 Monaten Langlauftraining und ein 153. Platz über die Sprintdistanz von 1600 Metern im freien Stil (Skating) waren Motivation genug, das Projekt Olympische Spiele in Angriff zu nehmen. Nach intensivem Sommertraining und einem harten Kampf im Dezember 2017 und Januar 2018 bei internationalen FIS Rennen gelang ihm bei dem letztmöglichen Rennen auf Island das scheinbar Unmögliche: er erfüllte doch noch die Olympianorm und löste somit sein Ticket für die olympischen Winterspiele.

Er lacht immer noch, wenn er an diesen Tag denkt. Der selbst ernannte „Ritter der Kokosnuss“ (Coconut-Fighter) hat es allen gezeigt. Allen, die gedacht haben, dass jemand aus einem „non-snow-country“ so etwas nicht schaffen kann.

„Menschen haben Angst, neues auszuprobieren, neue Träume zu haben, neue Ziele zu verfolgen. Und sie haben Angst zu versagen. Ich kenne diese Ängste alle nicht.“

Als er uns in Leutasch zwischen dem Langlauftraining seine Geschichte erzählt, sind wir beeindruckt.
Doch der Sportler gibt zu, dass es sich auch für ihn immer noch ein bisschen anfühlt wie ein Traum „Ich wollte eigentlich einfach nur mal einen Wintersport ausprobieren und dachte mir, dass Langlaufen Spaß machen könnte. Jetzt bin ich plötzlich ein Teil dieser Sportart und habe mich total verliebt“, schwärmt er.

Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang

Bei den Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang durfte die Welt Pita dann trotz Minusgraden im schon berühmten „Outfit“ – mit nacktem, eingeölten Oberkörper ¬– bewundern. Auch das 15-Kilometer Skating Rennen beendete er erfolgreich.

Wir sind uns sicher, vom Langläufer aus Tonga werden wir noch so einiges hören und sehen.

Nächster Stopp: FIS Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld?
#RoadtoSeefeld2019

 

Fotos: Laura Zobernig, Tonga Ski Team, Royal Tonga Ski Federation

Weiterführende Links:
Langlaufen in der Olympiaregion Seefeld
FIS Nordische Ski-WM 2019

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