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Auf den Spuren der wilden Kerle

Autor:
16. Februar 2018

Nicht zu heulen wie ein Wolf oder zu juchezen vor Verzückung ist schlicht unmöglich. Wer eine Vollmondtour auf die Rauthhütte unternimmt, spürt den Rausch der Glückshormone. Da hilft keine Ärztin und kein Apotheker. Warum auch.

Friedlich und rund präsentiert die Hohe Munde ihren großen Rücken. Der Ostgipfel scheint zufrieden unter der Schneedecke zu schlummern. Das mildert den Respekt vor dem sonst so stattlichen Berg, dessen Westgipfel mit über 2.660 Metern dem Himmel noch ein Stück näher ist. Dieser zackige Teil ist aber nur zu erahnen, ist es auf dem Weg zur Rauthhütte doch die sanfte Seite, die den Blick magisch anzieht. Gleitender Schritt für gleitender Schritt scheinen die Tourenski sich wie von allein zu bewegen. Der Vollmond lässt – stolz wie er ist – nur ein paar Sterne neben sich erstrahlen. Das leise „Huuuusch“ der befellten Ski und der regelmäßige Takt, in dem die Stöcke den Aufstieg erleichtern, wären die einzigen Geräusche, wäre da nicht dieser unbändige Reiz, immer wieder ein „Whow“ hinaus zu heulen. Oder beim Blick zurück, hinunter ins durch seine Lichterketten erkennbare Leutaschtal, verzückt zu juchezen.

Magische Kräfte

Es gibt viele Geschichten über verrückte Dinge, zu denen der Vollmond die Menschen schon immer animierte. Schlaflosigkeit ist eine davon. Schlafwandeln eine andere. Die einen tanzen, die anderen feiern und wieder andere trinken in diesen Nächten gerne. Scheint der Vollmond im Winter in der Leutasch, dann gibt es aber kaum etwas Schöneres, als in seinem Licht auf die Rauthhütte zu wandern – ob mit Tourenski, Schneeschuhen oder mit der Rodel im Schlepptau.
Gut möglich, dass sich dabei das Gefühl einstellt, als würde man – angetrieben von einer magischen Kraft – schlafwandeln. Schlaflosigkeit ist jedenfalls garantiert. Es ist wohl der Rausch der Glückshormone. Da hilft keine Ärztin und kein Apotheker. Warum auch?

Nicht nur das bläuliche Licht, in dem die Konturen des Ostgipfels so haarscharf zu erkennen sind, dient beim Aufstieg als Kompass. Am Fuß des Rückens strahlt es hell und fast schon frech aus der großzügigen Fensterfront der Rauthhütte. In der atmosphärisch anmutenden Stille des Aufstiegs lässt sich das Stimmengewirr jener erahnen, die schon angekommen sind. Die gemütliche Stunde, die der Anstieg dauert, wird durch das mondhelle Panorama ein wenig verzerrt und Hast empfinden da nur die Hungrigen und Durstigen. Im Wissen, was sie oben erwartet, macht ihnen der Gaumen Beine. Die anderen müssen sich erst satt sehen.

„Der Großteil sind schon Einheimische, doch auch bei den Gästen wird Tourengehen immer beliebter“, weiß Andrea Rauth. Sein Name verrät, dass er eng mit der Hütte verbunden ist. Seit drei Generationen ist die Hütte Dreh- und Angelpunkt seiner Familie. „Und es schaut so aus, als würde es mit unserer Tochter Daniela eine vierte geben“, sagt der Hüttenwirt nicht ohne Stolz: „Das zu wissen, ist schon ein schönes Gefühl.“ Stimmt. Als die Hütte errichtet wurde, waren die gigantischen Aussichten nur wenigen vergönnt. Andrä Rauth hatte die Hütte 1928 als Stützpunkt für Bergsteiger erbaut, die sich im Winter jedoch kaum auf den Weg machten, von hier aus die Hohe Munde zu erkunden. „Angefangen hat es schon mit den wilden Kerlen“, lacht Andreas, der Enkel des Hüttenpioniers in der Erinnerung an die ersten Skitourengeher, die vor nichts zurückschreckten und vor Tiefschnee im Hang schon gar nicht.

Das Skitourengehen steht sprichwörtlich am Beginn des Skilaufes, mussten die Berge doch erst mal bergan wandernd erobert werden, bevor frische Spuren in den Tiefschnee gesetzt werden konnten. Damals wie heute dauerte der Anstieg meist um Welten länger als die Abfahrt – ein Verhältnis, welches mit dem Bau der ersten Aufstiegshilfen ein wenig angeglichen wurde. Auch die Rauthhütte war über viele Jahre mit dem 1969 erbauten Mundelift gemütlich und ohne schweres Atmen zu erreichen gewesen. Damals wurde das stolze Berghaus von Andreas‘ Eltern Rudold und Sieglinde geführt, die schon 1961 den ersten Zubau und im Zuge des Lift-Hypes weitere Baumaßnahmen setzten. 2003 wurde der Lift eingestellt und mit Tränen im Knopfloch abgebaut. Was anfangs vielleicht als Nachteil empfunden wurde, wandelte sich jedoch rasch zum Vorteil.

Immer was Extriges – Vollmondtour

Tourengeher lernten den Aufstieg lieben, haben sie bei der Abfahrt doch die Möglichkeit, auf der von Andreas Rauth präparierten Piste oder eben im Tiefschnee zu fahren. Passionierte Rodelfahrer finden die teils steile und echte Rodelkunst kitzelnde Rodelbahn klasse und Schneeschuhwanderer schätzen die Möglichkeit, abseits der präparierten Wege ihre sanften Spuren zu setzen und auf dem Weg hinauf in aller Bedächtigkeit über das Leben zu sinnieren oder schlicht darüber, womit denn heute der Gaumen verzückt werden soll. „Meine Mama Linde und unsere Tochter Dani sind die Köchinnen. Sie machen immer wieder etwas Extriges.
Burger am Freitag beispielsweise oder außertourliche Knödel – sie machen das echt spitze“, freut sich Andreas, dessen Gattin praktischerweise Andrea heißt. Er ist teils auf der Rauthhütte aufgewachsen und jedenfalls in das Hüttenwirtsleben hineingewachsen: „Das ist in Fleisch und Blut übergegangen. Das ist absolut mein Ding.“ Das merkt man. Es muss sich längst in den Genen manifestiert haben.

Nicht nur in Vollmondnächten zieht es die Rauthhütten-Fans hinauf. „Ob Vollmond oder nicht – sie kommen. Dafür gibt es ja Stirnlampen“, stellt Andreas wissend fest. Wahre Mondsüchtige lassen sich dadurch weder ernüchtern noch beirren. Mag eine Stirnlampe den Weg von Leutasch Moos bis zur auf 1.600 Metern gelegenen Rauthhütte auch schön ausleuchten und die nächtliche Eroberung selbst bei Schneefall ermöglichen – der Mond ist und bleibt der wahre Meister. Er macht nicht nur den Aufstieg, sondern auch die Abfahrt zu einem exorbitanten Erlebnis. Dabei nicht zu heulen wie ein Wolf oder zu juchezen vor Verzückung ist schlicht unmöglich.

Nähere Informationen unter:

www.rauthhuette.at; Infos zu den Themenwochen, Burger-Tagen oder sonstigen Highlights werden auf www.facebook.com/rauthhuette/ veröffentlicht.

Viele weitere Tipps über Schneeschuhwanderungen, Rodelvergnügen und Skitouren in der Olympiaregion Seefeld auf www.seefeld.com.

Fotos:

econova/Tom Bause, Olympiaregoin Seefeld

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