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Regions-Originale

Regions-Orginale: Imker Kurt Kriegl, der König der Bienen

14. Mai 2018

Kurt Kriegl hat ein „süßes“ Hobby – im wahrsten Sinne des Wortes. Er ist nämlich Imker und Herr über 1 000 000  Bienen. Mit großer Leidenschaft kümmert er sich um seine Bienenvölker und um die Natur. Ein Hobby, das nicht nur mit köstlichem Honig, sondern auch mit Glück und Zufriedenheit belohnt wird.

Honig im Blut

„So wie andere Skifahren, Golfen oder Radlfahren, habe ich die Bienen als Hobby!“, erzählt Kurt stolz. Er ist Hobby-Imker aus Leidenschaft. Aber so richtig ausgesucht hat er sich dieses Hobby eigentlich nie – vielmehr wurde er hineingeboren. „Ich habe mein ganzes Leben immer Bienen um mich gehabt, weil schon mein Vater Imker war“, sagt Kurt. Er hat also quasi Honig im Blut.

„Ist das nicht ein recht gefährliches Hobby?“, wollen wir wissen. Immerhin weiß die Biene sich ja recht schmerzhaft zu wehren, wenn man ihr zu nahe kommt? „Im Gegenteil!“, sagt Kurt. Eigentlich ist es ein ganz harmloses und vor allem friedliches Hobby. Diese Ruhe strahlt Kurt selbst auch aus – er spricht bedacht und ruhig, mit einem singenden Dialekt. Man kann sich vorstellen, dass die Bienen sich bei ihm wohl fühlen.

Schwarz-grau, sozial und friedlich

„Man braucht vor der Biene keine Angst haben!“. In seinem ganzen Leben hat Kurt vielleicht zwei oder drei Mal einen Schutz bei der Arbeit mit seinen Bienen getragen – stechen tun Bienen nur äußerst selten. Und wenn Kurt doch mal gestochen wird, dann sieht er es als Medizin, immerhin wird Bienengift seit Jahrtausenden bei Rheuma oder in Wärmesalben genutzt. Leid tut es ihm aber schon, wenn eine Biene ihn sticht – immerhin bezahlt sie dafür mit ihrem Leben. Und Kurt liebt jede einzelne seiner Bienen. „Kaum einer weiß, wie intelligent und sozial sie eigentlich sind!“, sagt er.

Fleißige Bienchen – und ein fleißiger Imker

Imker sein heißt nicht nur, köstlichen Honig zu haben – das ist vielleicht nur das i-Tüpfelchen der Arbeit. „Ein Imker hat ganz viele Aufgaben“, verrät uns Kurt. Er schaut zunächst, dass es den Bienen gut geht: Sie brauchen zum Beispiel einen Stock, in dem sie das ganze Jahr gut leben können. Im Winter muss genügend Nahrung da sein, um die kalten Monate gut zu überstehen. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil den Bienen eigentlich der Honig als Futter dient. Wenn der Imker ihr diesen nimmt, bekommen sie als „Ersatz“ dafür Zuckerwasser. „Ich lasse den Bienen auch immer noch Honig in den Waben, damit auch sie die wertvollen Inhaltsstoffe nutzen können – immer mit Maß und Ziel.“, erzählt Kurt. Außerdem achtet er darauf, dass die Bienen im Sommer eine Vielfalt an Futter finden.

Dabei hilft ihm Burgi, seine Frau, die sich mit Stauden, wilden Kräutern und Blumen, die viel Pollen und Nektar tragen, bestens auskennt. Burgi ist eine Expertin für Pflanzen und der API Medizin (Kurt erklärt: „Das ist die “Medizin aus dem Bienenstock”: Pollen, Propolis, Gelée Royale, Wachs, Bienengift und Honig“). „Ohne ihre Unterstützung könnte ich all dies nicht machen!“, ist Kurt dankbar. Ihre Arbeit hilft auch allen anderen Insekten: Den Raupen, Schmetterlingen, Käfern und allen anderen Nützlingen.

Die Biene in Zahlen

In einem Bienenstock befinden sich bis zu 70 000 Bienen – zumindest im Sommer. Im Winter sind es „nur“ ca. 20 000. Der Bienenstaat wächst nämlich im Sommer – fast explosionsartig. Das liegt daran, dass die Bienen in der warmen Jahreszeit besonders fleißig sind, auch bei der Produktion von Nachkommen. Die Rechnung ist recht einfach: Die Königin legt zu ihrer besten Zeit 2000 bis 2500 Eier pro Tag. (Das ist gut 1,5 Mal ihr eigenes Körpergewicht!) Nach 21 Tagen schlüpfen die Bienen – so werden im Sommer täglich bis zu 2500 Bienen geboren. Ein riesiger Kreislauf also.

Bienen leben übrigens je nach Jahreszeit auch unterschiedlich lang: Im Sommer lebt eine Biene nur circa 6 Wochen. Zu dieser Zeit muss sie nämlich viel arbeiten, fliegen und Honig eintragen. Im Winter dagegen, wenn sie nicht fliegt, lebt sie ganze 6 bis 8 Monate. Die Bienenkönigin übertrifft jedoch alles: Sie kann bis zu 5 Jahre alt werden. Das liegt daran, dass ihr Volk sich besonders gut um sie kümmert. So darf sie auch eine besondere Nahrung genießen: Das „Gelée Royale“, also der „Königinnensaft“. Ein Sekret, das die Bienen in ihren Drüsen am Kopf produzieren. Für die Königin eben nur das Beste.

Wusstest du, dass…?

Die Biene, das kleinste Nutztier der Welt, ist ein wahrer Überlebenskünstler. Beim Überwintern zum Beispiel – da ist im Stock viel mehr los, als man denken könnte. Wusstest du zum Beispiel, dass die Bienen im Winter eine Traube formen, um sich und die Königin zu schützen? Im Kern dieser Traube herrschen immer kuschelige 25 Grad. Dort sitzt die Königin und wird von den Arbeiterinnen gefüttert. Es herrscht stets Bewegung, sodass alle Bienen mal ins Wärmere und an die Nahrung kommen. So machen auch Temperaturen von -25 Grad Celsius den Bienen gar nichts aus!

Und wusstest du, dass die Biene ein Meister in der Orientierung ist? Jede Bienenkönigin strömt ein eigenes Pheromon aus, das ihre Vitalität widerspiegelt – und für einen ganz „eigenen“ Duft sorgt. So findet jede Biene auch unter vielen Stöcken noch den kleinen Eingang zu ihrem eigenen Volk. Wahre Wunder, die kleinen Bienchen!

Die Biene in Gefahr: Bienensterben

Das Bienensterben ist längst kein Mythos mehr, sondern eine Realität, die auch die Bienen in Europa erreicht hat. Seit einigen Jahrzehnten beobachten Imker, dass ganze Bienenvölker sterben und die Biene in Gefahr ist. Doch woran liegt das? Dazu beigetragen haben mehrere Faktoren. „Einer davon sind sicher die Pestizide und das Glyphosat. Das sind Neonikotinoide, also Nervengifte, die in der Landwirtschaft gegen Insektenbefall eingesetzt werden.“, erklärt Kurt. Diese Pestizide schaden auch allen Nützlingen – nicht nur den Bienen, sondern auch Schmetterlingen, nützlichen Käfern und vielen anderen.

Ein weiterer Grund für das Bienensterben ist die Varroa-Milbe. „Das ist eine Spinnenart, die die Biene befällt. Man kann sich das so vorstellen wie eine Zecke bei uns Menschen.“, erklärt Kurt. Die Varroa-Milbe saugt sich an der Biene fest, vergiftet ihren Blutkreislauf und bringt auch Viren ein. Deshalb müssen Imker ihre Bienenvölker so gut es geht vor der Varroa schützen. Die wilden Bienenschwärme sind aber auf sich selbst gestellt: Sie kann niemand vor der tödlichen Milbe beschützen.

Bienensterben: Was wir tun können

Doch gibt es etwas, das wir tun können, um den Bienen zu helfen? Die gute Nachricht ist: Ja. Und noch besser: Sogar ganz leicht! Wenn wir in unseren Gärten und auf den Balkonen Blumen pflanzen, die der Biene Nahrung bieten, ist schon viel getan. Die Regel ist: Alles, was  „ungefüllte Blüten hat“, also viel Pollen und Nektar bringt, ist gut. Einjährige Pflanzen sind dagegen nutzlos. „Mein Spruch ist immer: Mut zur Unordnung!“, sagt Kurt. „A bissal a Unordnung ist für viele Lebewesen das Glück!“. Außerdem können wir Hobby-Gärtner mit den Giften sparen und ein paar wilde Pflanzen und Kräuter stehen lassen. Die Brennessel zum Beispiel – sie ist die Futterpflanze vieler Schmetterlingsraupen und sogar für uns Menschen gesund, als Suppe, Spinat, oder die Samen zum Beispiel im Salat.

Bewusstsein für die Umwelt

„Ich wünsche mir, dass die Menschen die Natur mehr wahrnehmen und weniger Angst vor Insekten haben!“, sagt Kurt. „Es ist schön, wenn man innehalten kann und die Natur genießen kann.“. Das können wir uns beim nächsten Spaziergang oder der nächsten Wanderung vielleicht zu Herzen nehmen und unsere Augen und Ohren offen halten. Wer weiß, vielleicht sehen wir Biene Maja und ihre Freunde über die Wiesen fliegen, einen Schmetterling seine Flügel ausbreiten, einen Käfer seinen Weg über Stock und Stein zurücklegen, einen Regenwurm in der Erde verschwinden … und noch so vieles mehr, das uns sonst vielleicht entgeht!

Weiterführende Links:

Bienenlehrpfad Keith bei Seefeld

Fotos: Fabrice Dall’Anese u.a.

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