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Regions-Originale

Regions-Originale: Familie Heis & die Hühner

12. Juni 2018

Alles begann mit einem einzigen Hahn: Den bekamen Tamara und Mathias Heis zur Hochzeit geschenkt. Heute leben bis zu 4.000 Hühner auf dem familiengeführten Bio-Bauernhof in Leutasch. Eine tierische Erfolgsgeschichte über ein Hennen-Paradies, Bio-Eier, harte Arbeit, Familienzusammenhalt und die vielleicht besten Nudeln Tirols.

Die Hennen sind los

Die Frage, wer zuerst kam – das Huhn oder das Ei – ist bei Tamara und Mathias leicht beantwortet: Der Hahn! Den haben die beiden nämlich von Freunden zur Hochzeit bekommen. Und weil „Hansi“ nicht allein bleiben sollte, kamen noch 6 Hennen dazu. So kam das Ei ins Rollen – 18 Jahre später leben ganze 2.000 Hühner auf dem Bio-Bauernhof. Im Winter sind es sogar doppelt so viele. Dass es einmal so weit kommen würde, hätte sich das Paar in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Doch im Laufe der Jahre wurde der einstige Bauernhof mit Kühen zum familiengeführten Hühner-Biobauernhof und Nudelfabrik.

Ein Hühnerparadies

Den Hühnern auf dem Bio-Bauernhof in Leutasch geht es so richtig gut. Fast schon paradiesisch ist ihr Auslauf: Eine riesige Wiese liegt vor dem geräumigen Stall. Bunte Bergblumen blühen, soweit das Auge reicht. Einige Hennen picken im kniehohen Gras, andere liegen lieber in Erdkuhlen vor dem Stall: „Das ist für sie wie eine Dusche“, erklärt Tamara. „Sie lieben das!“. Das einzige Mal, dass die Hühner in ihrem idyllischen Leben gestört werden, ist wenn ein Greifvogel oder ein Hubschrauber über die Weide fliegen und die Hühner erschrecken. Dann kann es sogar passieren, dass sie vor Schock eine Woche lang keine Eier mehr legen – ein großer Ausfall für den Hof. Zum Glück passiert das jedoch nur selten, und so picken die Hennen zufrieden ihren Weg durch die Bergwiesen.

Arbeit gibt es immer

Für Familie Heis bedeutet es viel Arbeit, den Hühnern diesen Bio-Bauernhof-Standard zu bieten. Der Arbeitstag beginnt früh, zuerst werden die Tiere gefüttert. Vormittags ist außerdem die legestärkste Zeit, die Hühner legen dann also am meisten Eier. Diese werden zwar maschinell aufgefangen, müssen jedoch händisch sortiert werden. Danach werden sie abgepackt und die Bestellungen ausgeliefert. „Oft fasse ich ein Ei vom Legen bis zum Verkauf zehn Mal an“, erzählt Tamara. „Wie viel Arbeit dahinter steckt, sieht man oft leider nicht.“

Eine beflügelte Erfolgsgeschichte

Aus den Eiern aus Leutasch stellt Familie Heis auch Nudeln und Eierlikör her. Der Grund: Die Hühner legen nicht immer gleichmäßige, große Eier, sondern eben auch mal kleine und „schiache“ (dt.: hässliche). Doch die will keiner kaufen. Eine Tatsache, die Tamara und Mathias nicht ertragen konnten: „Es kann ja nicht sein, dass man jeden Tag frische Lebensmittel wegschmeißen muss, nur weil sie niemand kaufen möchte!“. So hatten sie die Idee, aus den weniger schönen, aber genauso guten Eiern Nudeln zu produzieren. Herausgekommen sind köstliche Kreationen und über 100 verschiedene Sorten. Nicht nur die klassischen Spaghetti gibt es aus Leutasch, sondern auch kulinarische Highlights wie Basilikum-Nudeln, Curcuma-Nudeln, Dinkel-Gnocchetis, Rote-Beete-Nudeln und allerlei mehr. Und für den „Absacker“ nach dem Essen gibt’s eigens hergestellten Eierlikör.

Handarbeit und Familienzusammenhalt

Die Nudelproduktion ist Handarbeit und großer Aufwand: Um 18 Uhr, wenn der Hofladen schließt, beginnt Tamara mit der Produktion. Bis 2 Uhr in der Früh ist sie beschäftigt, und das drei bis vier Mal in der Woche. Die Bandnudeln und Spaghetti werden händisch gelegt und geschnitten, das braucht seine Zeit. Wenn die Nudeln fertig getrocknet sind, werden sie mühevoll abgepackt. Außerdem hat die Familie noch ein Gästehaus. „An Arbeit gibt’s immer!“, lacht Tamara in tiefem Leutascher Dialekt. Aber zum Glück gibt es die Familie, da packt oft jeder an, wo er eben gebraucht wird.

Mehr Regionalität, bitte!

„Wir wünschen uns, dass das Regionale mehr geschätzt wird“, sagt uns Familie Heis zum Abschluss. Der Hof und die Nudelfabrik sind harte Arbeit, was viele gar nicht wissen. Für ihre Produkte verwendet Familie Heis ausschließlich beste Zutaten wie den Qualitätsgries. Das alles macht natürlich den Preis aus – aber wer einmal die Nudeln probiert hat, zahlt diesen gerne. Die Eier stammen von Hühnern, denen es wirklich gut geht, man unterstützt ein regionales Unternehmen und tut seiner Gesundheit mit den hochwertigen Bio-Produkten etwas Gutes – das kann man mit Nudeln aus dem Supermarkt kaum vergleichen.

„In meinem nächsten Leben werde ich Huhn auf dem Bio-Bauernhof in Leutasch!“. Mit diesem Gedanken fährt man vom Hof der Familie Heis. Frische Bergluft, viel Auslauf, bestes Futter: Das ist kein Werbespruch, sondern die Realität in Leutasch. Da schmecken die Eier und die Nudeln gleich noch ein bisschen besser!

Weiterführende Links:

Für alle, die sich nun vom Geschmack der Bio-Eier und Nudeln überzeugen wollen, geht es hier zur Homepage der Leutascher Bio-Eier.

Zum Gästehaus Böckenhof geht’s hier entlang.

Blogserie: Regions-Originale

In den kommenden Monaten zeigen wir die Menschen aus der Region, die sonst im Hintergrund arbeiten. Die Menschen, die unsere Region prägen und voranbringen, ohne dass wir häufig etwas davon mitbekommen. Ohne die aber unsere Region nicht das wäre, was sie heute ist. Ihre Geschichten werden stets begleitet von den Werken des Star-Fotografen Fabrice Dall’Anese.

Seit geraumer Zeit ist die Olympiaregion in einem Aufruhr und Umbruch, begründet durch die Austragung der Nordischen Skiweltmeisterschaften 2019. Doch auch dieses Großereignis wird vorbeigehen und das Leben vor, während und nach der WM läuft weiter. Die Regions-Originale wissen das selbst am besten und lassen uns mit ihrer persönlichen Geschichte daran teilhaben.

Fotos: Fabrice Dall’Anese

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