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Sommer

Karwendel Höhenweg: Weitwandern inmitten von Giganten

Autor:
13. August 2018

 

Seit diesem Sommer ist das Karwendelgebirge um eine ganz besondere Wander-Attraktion reicher: Der Karwendel Höhenweg. In 6 Tagen kann man das Karwendelgebirge von Hütte zu Hütte bewandern und dabei die einzigartigen Aussichten auf die imposante Bergwelt, Hütten-Flair und beste Tiroler Schmankerl genießen. Im Bericht vom zeit.los Magazin erfährst du, was den neuen Weitwanderweg so „wunderbar wanderbar“ macht:

Das Karwendel ist kein Gebirge wie jedes andere. Entlang der Nordkette, die das Karwendel im Süden begrenzt, erhascht man einen Blick in zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Einerseits liegt einem hier das dicht besiedelte Inntal zu Füßen, wo rege Betriebsamkeit herrscht, andererseits erlebt man die idyllische Bergeinsamkeit des Naturparks Karwendel, die vielerorts kaum menschliche Einflüsse vermuten lässt. Und tatsächlich sind weite Teile des Karwendel beinahe menschenleer. Deshalb ist das Gebirge ein idealer Rückzugsort, um Abzuschalten und zu sich selbst zu finden. Aufzusteigen, um runterzukommen.

Wandern macht high

Wandern wirkt sich auf unsere Gehirnaktivität ebenso aus wie auf Stoffwechselvorgänge, das zentrale Nervensystem und die Hirnstrom-Potenziale. Im Gehen werden jene Strukturen stimuliert, in denen das Belohnungssystem angesiedelt ist. Der Dopaminspiegel steigt. Der Neurotransmitter regelt die Signalübertragung im Gehirn und wird dort in der sogenannten Schwarzen Substanz, der substantia nigra, produziert. Es wirkt wir eine Art körpereigene Droge, die Glücksgefühle auslöst. Etwas salopper formuliert könnte man sagen, dass Wandern high macht. Natur-high. Außerdem hat der Botenstoff einen gedächtnisverstärkenden Effekt. Deshalb bleiben schöne Erlebnisse gerne und lange in der Erinnerung haften. Wenn das unscheinbare Molekül Dopamin in der richtigen Dosierung auftritt – so wie beim Wandern –, empfinden wir ein Gefühl der Leichtigkeit. So viel zur Gehirnchemie.

Idylle und Abwechslung

Idyllisch und abwechslungsreich ist der Karwendel Höhenweg, dessen Ausgangs- und Endpunkt in der Olympiaregion Seefeld liegen. Der Weg erschließt den südlichen Teil des Karwendelgebirges und verheißt, im Rahmen einer Mehrtageswanderung – genau genommen binnen sechs Tagen – den größten und wahrscheinlich auch schönsten Naturpark Österreichs von den Tallagen bis zu den Gipfelregionen zu erkunden. Im Karwendelgebirge wechseln sich klare Gebirgsbäche, steile Felswände, tiefe Schluchten und Klammen mit Mooren und saftigen Almwiesen ab. Um den ökologischen Fußabdruck möglichst gering und die lästige Parkplatzsuche überhaupt wegfallen zu lassen, sind Ausgangs- und Endpunkt der Weitwander-Tour sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Der Karwendel Höhenweg verlangt nach Kondition und Trittsicherheit und ist mit seiner Länge von 60 Kilometern für einigermaßen routinierte Bergwanderer in sechs Tagesmärschen tatsächlich gut zu bewältigen. In Sachen Unterbringung nach den Tagesetappen warten auf der Route mit ihren fünf wunderbaren Schutzhütten, in denen man den müden Körper laben und das Haupt zur Ruhe betten kann, beste Voraussetzungen.

Eine Weitwanderung in sechs Akten

Etappe 1:

Die erste Etappe des Höhenwegs nimmt am Bahnhof Reith bei Seefeld ihren Ausgang und führt auf 6,5 Kilometern und 1.1150 Höhenmetern auf die 2.239 Meter hoch gelegene Nördlingerhütte. Zwischendurch kommt man am Schartlehnerhaus vorbei. Von dort aus führt ein Steig über den Latschenrücken des sogenannten „Schoaßgrates“ zum ersten Übernachtungsziel.

Etappe 2:

Auf der zweiten Etappe taucht man richtiggehend ins Karwendel ein und lässt die „Zivilisation“ hinter sich. Gestärkt bricht man von der Nördlinger Hütte in Richtung Urspungsattel (2.087 m) auf. Über diesen geht es zum Breiten Sattel (1.794 m) und danach zur Eppzirler Scharte. Von dort aus führt ein Steig über das mit Kalkschotter gefüllte Höllkar hinab und danach in leichtem Auf und Ab zum Solsteinhaus, dem zweiten Etappenziel. Wer sich im alpinen Gelände wie daheim fühlt, absolut trittsicher und dazu noch schwindelfrei ist, kann alternativ die Überschreitung vom Urspungsattel entlang des Freiunger Höhenweges bis zur Eppzirler Scharte marschieren. Die Felsabschnitte sind mit Seilen versichert, die Mitnahme eines Klettersteigsets ist anzuraten.

Etappe 3:

Der dritte Tag bringt zugleich die längste Etappe des Karwendel Höhenwegs. Deshalb ist es am besten, gleich mit den ersten Sonnenstrahlen vom Solsteinhaus aufzubrechen. Von dort aus geht es bergab in Richtung Möslalm, an der Abzweigung in der „Wilden Iss“ folgt man dem Gipfelstürmerweg vorbei an der Jagdhütte. Über Serpentinen und einen mit Bäumen und Latschen bewachsenen Rücken geht es hinauf zum sogenannten „Hippen“. Ein kurzer Abstieg, dann sehr steil hinauf zum Frau-Hitt-Sattel, der sich westlich der Frau Hitt – einer prominenten Felsnadel – befindet. Vom Sattel absteigend geht es danach über den Schmidhubersteigt zur Seegrube.

Von dort genießt man einen herrlichen Blick über Innsbruck. Danach folgt der Anstieg zum Hafelekarhaus, wo man auf den Goetheweg einschwenkt und diesem bis zur Pfeishütte folgt. Am Goetheweg treffen gewissermaßen zwei Welten aufeinander: das schroffe Karwendelgebirge und das Inntal. Wer sich den steilen Anstieg von der Seegrube hinauf zum Hafelekar ersparen möchte, kann alternativ die Hafelekarbahn nehmen.

Etappe 4:

Die vierte Etappe beginnt dort, wo die dritte geendet hat. Nämlich auf der heimeligen Pfeishütte. Von dort aus geht es über das Stempeljoch und das Lafatscher Joch zur Bettelwurfhütte. Nachdem man das Stempeljoch hinter sich gelassen hat, gelangt man auf den sogenannten Wilde Bande Steig, der nach der gleichnamigen, 1878 gegründeten Bergsteigergesellschaft benannt ist.

Etappe 5:

Am fünften Tag steht ein verhältnismäßig gemütlicher Marsch zum Hallerangerhaus an. Von der Bettelwurfhütte, dem Adlerhorst des Karwendel, geht es wieder retour zum Lafatscher Joch und von dort zwischen Lafatscher, Roßkopf und Speckkarspitze hindurch bergab zum Hallerangerhaus.

Etappe 6:

Die letzte Etappe vom Hallerangerhaus nach Scharnitz, führt im Hinterautal an der Isar entlang und lädt nach einigen anstrengenderen Etappen noch einmal richtig dazu ein, die Seele baumeln zu lassen und entlang des türkisblau schimmernden Flusses Kraft zu tanken und das im Gehen erfahrene Revue passieren zu lassen.

Selbstverständlich kann man den Höhenweg auch in umgekehrter Richtung absolvieren, es empfiehlt sich aber zweifellos diese Variante.

Berg-Kulinarik

Weil ein leerer Bauch nicht nur ungern studiert, sondern auch schlecht geht, hat der Karwendel Höhenweg auch in kulinarischer Hinsicht einiges zu bieten. Alle Hütten haben sich im Rahmen der Alpenvereins-Initiative „So schmecken die Berge“ selbst verpflichtet, in der Küche möglichst auf regionale Produkte zurückzugreifen. Das hilft auch dabei, die durch die Arbeit fleißiger Bergbauern geprägte alpine Kulturlandschaft zu erhalten.

Facts

Packtipps für den Karwendel Höhenweg

Ein zu schwerer Rucksack ist nicht leicht zu (er)tragen und wirkt sich auch nachteilig auf die Trittsicherheit aus. Deshalb hier einige hilfreiche Anregungen.

Bei erfahrenen Bergsteigern gilt bei der Bekleidung das Mehrschichtenprinzip, das besagt, dass mehrere dünne besser sind als eine einzelne dicke Bekleidungsschicht. Da das Wetter gerade im Hochgebirge unberechenbar sein kann, sollte man mit Wetterumschwüngen rechnen und darauf vorbereitet sein. Generell gilt beim Rucksackpacken die Grundregel, dass man so viel wie nötig und so wenig wie möglich mitnehmen sollte.

Checkliste:

  • Bergschuhe (knöchelhoch)
  • Funktionsunterwäsche
  • Atmungsaktives Shirt oder Hemd
  • Fleecepullover oder -jacke
  • Wetterschutzjacke mit Kapuze (wind- und wasserabweisend)
  • lange Hose
  • Wandersocken
  • Mütze und Fingerhandschuhe
  • Erstatzkleidung
  • Rucksack (35 – 45 Liter) mit Regenschutz
  • Wanderkarten und -führer
  • Sonnenschutz (Creme, Brille, Kopfbedeckung)
  • Trinkflasche (mind. 1,5 Liter)
  • Notfallproviant (Müsliriegel, Traubenzucker,…)
  • Erste-Hilfe-Set
  • Mobiltelefon
  • Grödel (einfache Steigeisenform für die Schuhe)
  • Teleskopstöcke
  • Stirnlampe
  • Biwaksack
  • Hüttenschlafsack und -schuhe
  • Waschzeug und Handtuch
  • Starter-Kit Karwendel Höhenweg

Tipps zum Weitwandern

Körperliche Fitness, Kondition und Trittsicherheit sind die Grundlagen, die über die Routenführung entscheiden. Vor dem Start sollte man die Strecke genau studieren: Wo liegen Versorgungsstationen, Hütten (Öffnungszeiten und Schlafplätze checken) und mögliche Notunterkünfte? Gibt es Passagen, die man besser umgehen sollte? Und falls ja, wie? Ist spezielle Ausrüstung erforderlich (Klettergurt, Helm, Steigeisen etc.)? Ist die gewählte Route überall frei passierbar? Vor der Tour die Wetterprognose checken!

Bitte notieren!

Alpinnotruf: 140

Europäische Notrufnummer: 112

Weitere Informationen zum Karwendel Höhenweg:

Karwendel Höhenweg

Intagram- Karwendel Höhenweg

Karwendel Höhenweg – Facebook

Olympiaregion Seefeld: Karwendel Höhenweg

Fotos: Hansi Heckmair, Heinz Zak, Stefan Wolf, Stefan Hagenlocher, Tirol Werbung (Holger Gassler, Jens Schwarz, Peter Sandbichler, Hans Herbig)

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