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Winter

Anette Boe im Interview

20. Februar 2019

Anette Bøe war der Superstar der Nordischen Skiweltmeisterschaften in Seefeld 1985: Sie holte hier zweimal Gold, einmal Silber sowie einmal Bronze. Sie zählt zu den erfolgreichsten Langläuferinnen der Geschichte ihres Sports. 34 Jahre nach ihren großen Erfolgen ist sie wieder in Seefeld. Wenige Stunden vor Start der Titelkämpfe haben wir mit der sympathischen Norwegerin über „ihr“ Seefeld, ihre Erinnerungen an 1985 und über ihre Erwartungen an die kommenden Tage gesprochen.

Liebe Anette, schön dich wieder in Seefeld begrüßen zu dürfen, 34 Jahre nach deinem Triumphzug bei den ersten Nordischen Weltmeisterschaften in der Olympiaregion. Was führt dich zurück, was ist konkret deine Aufgabe?

Ich arbeite hier zur Zeit für die Cross Country Academy von Martin Tauber. Seit Anfang Dezember bin ich hier und bleibe noch bis Ende März. Ich freue mich, jeden Tag mit Leuten zusammenzuarbeiten und ihnen Langlauf beizubringen. Ich sehe ihre Freude dabei und das macht mich glücklich. Seefeld gibt mir wie immer sehr gute Energie. Es ist ein magischer Ort.

Was sind deine Erinnerungen an das Jahr 1985, das erfolgreichste, wie man nachlesen kann, deiner so fantastischen Karriere?

Es war für mich ein wunderbares Erlebnis. Das Jahr 1985 war absolut das erfolgreichste in meiner Karriere. Ich habe viele Jahre lang darauf hingearbeitet und es war mein Ziel, Weltmeisterin zu werden. Das ist mir 1985 gelungen. Seefeld ist für mich wirklich ein richtiges Glücksdorf. Ich habe damals mit den vier Medaillen wirklich alles geschafft, was ich wollte.

Zweimal Gold, je einmal Silber und Bronze – Seefeld war gleichsam ein goldener Boden für dich. Wer waren damals deine härtesten Rivalinnen?

Das waren die Russinen und Marja-Liisa Hämäläinen aus Finnland. Natürlich auch die Norwegerinnen aus meiner eigenen Mannschaft.

In der Tiroler Tageszeitung vom 22. Jänner 1985 stand geschrieben: ,,Anette eroberte alle Herzen!“ gibt es ein Exemplar davon in der Trophäensammlung?

Ich habe damals leider keins in die Hände bekommen. Aber zum Glück habe ich jetzt von Euch eines bekommen, das ist so süß (lacht). Das will ich extra rahmen lassen.  Ich bin sehr stolz, dass die Leute mich hier mögen.

1985 war das Jahr des Stil-Umbruchs, ohne ,,Siitonen-Schritt gibt  es nichts zu gewinnen, hieß es damals; du hast die Umstellung perfekt gemeistert, kannst du heute das ,,Geheimrezept“ von damals verraten?

Es fing eigentlich alles schon während der Olympischen Spiele in Sarajewo an, wo ich mit meiner Mannschaft war. Da habe ich gesehen, dass bei den Männern Bill Koch und Gunde Svan diese Technik schon probiert haben. Ende 1984 waren dann alle besten Läufer der Welt bei einem großen Lauf in Nordschweden und da haben die Männer vor dem Start das Wachs weggenommen. Da habe ich mir gedacht, dass ich das gleiche mache wie die Männer. Ich war also eigentlich die erste Frau, die damit angefangen hat.

In Seefeld war ich dann auf einem privaten Trainingslager und habe gesehen, dass alle Mannschaften, die hier waren, den Siitonen-Schritt eingeführt haben. Deshalb wollte ich das auch. Es hat richtig Spaß gemacht und war etwas Neues. Das ist die Geschichte

Kommen wir wieder zu den Weltmeisterschaften 1985: Weißt du noch, der Abschiedsabend in der ,,KANNE“ soll ja besonders lustig gewesen sein, da haben alle Gäste deine Tanzkünste bewundert….

An alles erinnere ich mich nicht mehr. Aber ich weiß, dass wir eine große Party hatten und ich superglücklich war. Ich liebe es zu tanzen und kann mir gut vorstellen, dass ich die ganze Nacht durchgetanzt habe. Schade, dass es keine Fotos gibt (lacht).

Seefeld einst und heute – was beeindruckt dich am meisten an der Entwicklung des nunmehr zweifachen WM-Ortes?

Am meisten beeindrucken mich die Loipen. Die sind jetzt ganz anders. Start und Ziel waren 1985 noch bei der Kirche und die Tribünen mit den Zuschauern waren rechts von der Kirche, von da sind wir Richtung Wald los gelaufen …

Seefeld hat sich unglaublich entwickelt. Für mich ist Seefeld jetzt eigentlich der beste Platz in der Welt um Langlaufen zu machen. Auch wenn ich eine Norwegerin bin, muss ich das sagen, auch wenn meine Landsleute jetzt sicherlich mit mir schimpfen (lacht). In meiner norwegischen Heimat ist es natürlich super. Aber hier – mit der Natur, den Bergen und den fantastischen Loipen finde ich Seefeld wirklich einen wunderbaren Platz zum Langlaufen. Die Sonne, die Berge, die freundlichen Leute und die Loipen – das ist so toll zusammen. Ein fantastisches Erlebnis immer wieder. In Norwegen kann es zu Beginn des Winters dunkel sein und sehr kalt. Hier ist viel mehr Licht und das gibt einem unglaublich viel Energie.

Was sagst du zu den modernen WM-Anlagen?    

Ich bin sehr stolz auf Seefeld. Ich habe gesehen, wie der Bürgermeister und alle Leute hier zusammen so wunderbare Wettkampfstätten auf die Beine gestellt haben. Alles ist offen und die Zuschauer haben von überall einen Superblick. Alles ist perfekt vorbereitet. Ich muss sagen, dass ich wirklich stolz bin auf Seefeld.

Was ist das Geheimnis der Erfolge im Langlaufen in deinem Heimatland Norwegen? 

Ist glaube, es liegt zum großen Teil daran, dass Langlauf in Norwegen sehr populär und es eine gute Nachwuchsarbeit gibt. Wenn man dann noch solche Stars wie zum Beispiel Marit Björgen hat, ist es natürlich einfacher, junge Leute für den Langlauf-Sport zu begeistern. Ich finde es schade, dass die wunderbaren Möglichkeiten, die man in Österreich im Langlaufen hat, noch zu wenig genutzt werden. Vielleicht macht ja auch die WM das Langlaufen in Österreich noch beliebter. Die Bedingungen hier sind dafür wie im Paradies – und das im Sommer wie im Winter.

Norwegen stellt ja mit Therese Johaug und Johannes Høsflot Klæbo zwei  Topstars – wird es wieder ,,Norsker-Festspiele“ geben?

Therese Johaug und Johannes Høsflot Klæbo sind natürlich sehr stark. Aber ich denke, man muss auch mit Russland und Finnland rechnen. Auch die schwedische Mannschaft ist stark. Die Deutschen darf man natürlich nicht vergessen, auch paar schweizer Mädels sind dabei. Und Österreich hat ja die Teresa Stadlober. Ich glaube, viele werden um die Medaillen mitkämpfen. Johaug und Klæbo sind natürlich Favoriten, aber man bekommt keine Medaille geschenkt.

Ich hoffe auch, dass Teresa Stadlober diesmal vorne dabei ist. In Pyoengchang war sie ja nah dran, schon auf Silberkurs und ist dann kurz vor dem Ziel falsch abgebogen. Ich hoffe wirklich, dass sie jetzt um den Sieg mitkämpfen wird. Für Österreich und Seefeld ist es wichtig, dass die Lokalmatadoren gut sind. Ich liebe Österreich und fiebere deshalb nicht nur mit den Norwegern mit, sondern drücke den Österreichern aus vollem Herzen die Daumen.

Liebe Anette, das sind wunderbare Schlussworte. Wir danken dir ganz herzlich für das Gespräch!

Das Interview wurde vom Österreichischen Skiverband geführt.


Weiterführende Links:

Mehr spannende Geschichten rund um die WM: Nordische Geschichten

Seefeld 2019: Aktuelle News

Seefeld 2019: Alles Wissenswerte über die FIS Nordische SKI-WM

Fotos: OK Seefeld, Kari Kraus, Tessa Mellinger

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