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Sommer

Leutascher Bergfrühlingstage

Autor:
3. Juni 2019

Was wir sehen, wenn wir gehen

Die Leutascher Bergfrühlingstage zählen zu den Highlights der Wandersaison. Hans Neuner und seine Monika richten sie heuer schon zum 13. Mal aus und bringen damit immer wieder zum Staunen. Das Magazin zeit.los schreibt über die Blütenvielfalt, die bunten Wiesen, duftenden Kräuter und singenden Vögel.

Wenn Hans Neuner, der Bantl-Hansi, mit seinen Gästen durch die Leutasch streift, ist das immer wieder ein Erlebnis. Wenn er sein Wissen weitergibt und seine Geschichten erzählt, sind Ahs und Ohs, gespitzte Ohren und leuchtende Augen nicht weit. Zum 13. Mal finden die „Leutascher Bergfrühlingstage“ heuer Anfang Juni statt und wieder werden viele dabei sein, die sich das schon seit Jahren nicht engehen lassen. „Man merkt bei den Stammteilnehmern, wie viel von diesen Tagen hängen bleibt“, sagt Monika ein bisschen stolz. Wenn Gäste das erste Mal mitwandern, sind sie oft noch unbeholfen, bald aber erkennen sie ein paar Kräuter oder eine Nestwurz, weil sie ihnen „der Hansi“ das letzte Mal ausführlich erklärt hat.

Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen

Hans und Monika Neuner, die „Bantls“, sind angenehm authentisch, sie mögen ihre Heimat und geben ihr Wissen gerne weiter. Man merkt, dass sie Ahnung haben, sich wirklich auskennen. Die Wanderungen haben nichts aufgesetztes, sondern den ehrlichen Wunsch, die Leute klüger zu machen. „Man braucht bei uns ja auch nichts zu erfinden, wir haben alles da“, sagt Hans und spielt damit auf die Mannigfaltigkeiten der Natur an: „Den Bergfrühling kann man bei uns wirklich als solchen bezeichnen. Die Vielfalt an Pflanzen und die Üppigkeit, die uns diese Jahreszeit bietet, kann man schon herzeigen.“ Dieses Herzeigen war den beiden immer ein Anliegen, mit ihren Themenwanderungen möchten sie wieder ein bisschen näher an die Natur heranführen. „Viele Städter wissen gar nicht mehr, wie schön die Natur im Frühling ist und viele, die am Land leben, sehen die Schönheit nicht mehr“, sagt Monika. Dann, wenn alles blüht und sich die Landschaft in all ihrer Buntheit zeigt. In der Leutasch gibt es allein 16 verschiedene Orchideenarten. Die Gäste nehmen die Eindrücke dankbar staunend an.

„Vieles von dem was ich heute weiß, hab ich übers Fragen gelernt. Durchs Neugierig-Sein.“ – Hans Neuner

Entstanden sind die Bergfrühlingstage als frühlingshaftes Pendant zu den „Ganghofer Hubertuswochen“, die heuer zum 21. Mal im Oktober stattfinden. Dass die Bergfrühlingstage ausgerechnet Anfang Juni abgehalten werden, hat einen guten Grund: „Oft liegt bei uns bis in den Mai hinein Schnee und ab Mitte Juni werden die Wiesen abgemäht“, erklärt Monika. Dann ist die leuchtende Farbenpracht verschwunden.

Auch Einheimische sind herzlich willkommen

Schon von Beginn an waren rund 25 bis 30 Leute bei den Themenwanderungen im Frühjahr dabei. Und es werden laufend mehr, auch weil das Stammpublikum immer wieder neue Leute mitbringt. „Wir machen das aber nicht nur für die Gäste“, sagt Hans mit Überzeugung. „Es ist natürlich auch jeder Einheimische eingeladen, mitzutun. Wir wollen keine touristische Attraktion sein, sondern jedem Interessierten zeigen, was man in der Region erleben kann. Es wertet die Veranstaltung extrem auf, wenn auch Leute aus der Gegend mitkommen.“ Besonders gefiele ihm, wenn Vermieter gemeinsam mit ihren Gästen wanderten.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn mehr Einheimische bei den Wanderungen mitgehen würden. Auch sie können noch viel lernen.“ – Hans Neuner

Geplant wird die nächste Bergfrühlingswoche fast sofort, wenn die eine vorbei ist. „Wir nehmen sehr viel mit aus der einen Woche – aus dem direkten Kontakt, den Fragen, Wünschen, Anregungen und Gedanken“, sagt Monika. Quasi schon in der Veranstaltungswoche fängt sie das neue Programm an zu denken, spätestens im August ist es fix: „Die meisten Teilnehmer, die zu den Bergfrühlingstagen kommen, kommen auch zur Hubertuswoche Anfang Oktober und möchten dann schon wieder über die nächsten Bergfrühlingstage Bescheid wissen.“ Deshalb ist Monika jetzt auch gedanklich schon beim Herbstprogramm und der Kapellenwanderung im Advent.

Expertenwissen & ein vielfältiges Programm

In der Woche werden Hans und Monika regelmäßig von Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten unterstützt. Heuer ist das Konrad Pagitz, ein Botaniker, der sich im Bereich der Neophyten auskennt – also mit Pflanzen, die in einer Region nicht ursprünglich heimisch sind sondern eingeführt wurden. Der Glaziologe Michael Kuhn nimmt sich der Eiszeit an. Auch Kräuterbäuerin Gertrude Messner war schon dabei oder der Vogelkundler Armin Landmann. „Das lieben die Leute“, sagt Hans. Besonders beliebt ist das Natur-Bio-Frühstück im Wald. Treffpunkt ist um 7:30 Uhr beim Parkplatz beim Musikpavillon in Weidach, bei frischer Morgenluft wird in den Wald gewandert, wo ein herrliches Frühstück mit knusprigem Brot, frischem Topfen und Butter, Marmelade, Speck und Eier wartet. Der Kaffee wird frisch über dem offenen Feuer gekocht. Vor Jahren haben Hans und Monika angefangen, vogelkundliche Wanderungen zu unternehmen. Gestartet wird um fünf Uhr morgens. „Wir dachten, da kommt kein Mensch“, blickt Monika zurück. Sie sollten sich irren. 30 Leute waren da! „Den morgendlichen Vogelgesang kann man sich kaum vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Das ist schon sehr beeindruckend“, findet Hans. Er hat recht!


Weiterführende Links:

Regions-Originale: Monika und Hansi Bantl

Regions-Originale: Alle Geschichten


Dieser Beitrag ist ein Artikel aus dem aktuellen Regions-Magazin zeit.los. Mehr komplette zeit.los-Magazine mit allen Geschichten gibt’s auch online zum Durchblättern und Stöbern!


Fotos:  Tessa Mellinger, Fabrice Dall’Anese

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