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Sommer

Paradies Karwendel: Bergsteiger Heinz Zak

Autor:
17. Juni 2019

Das Karwendel ist für Kletter-Urgestein Heinz Zak eine zeitlose Gegend, in der man ganz zu sich kommen kann. Neben zahlreichen Klassikern gibt es hervorragende Aussichtsberge und Gegenden, die fast unberührt sind. Der Isarursprung ist eine Kraftquelle, das Halleranger ein Eldorado für Kletterer. In diesem Beitrag erzählt Kletterlegende Heinz von seiner Leidenschaft zum Karwendel und den Gipfeln des Seefelder Plateaus.

Kraftquelle Karwendel

Heinz Zak ist ein echtes Urgestein der Tiroler Kletterszene. Er lebt seit 1981 in Scharnitz und kennt um das Seefelder Plateau herum und im angrenzenden Karwendel jeden Stein. Der Kletterer und Fotograf gerät ins Schwärmen, wenn er über sein Wohnzimmer spricht:

„Das Karwendel ist für mich ein Raum, der einfach zeitlos ist. Es ist dort noch sehr ursprünglich und einer der wenigen Orte, in den man eintauchen kann und auf Anhieb weg ist. Das ist fast ein Alleinstellungsmerkmal in den Alpen, würde ich sagen.“

Weg von den Menschenmassen, weg von den Zeugnissen der Zivilisation, weg von der Hektik des Alltags. Im Karwendel kann man – im Schatten der Berge – ganz zu sich kommen. Im Karwendel sitzt man gewissermaßen an der Quelle zur Natur.

Wo alles beginnt: Der Isarursprung

Dort, im Hinterautal, nimmt die Isar ihren Anfang. Sanft plätschernd und schimmernd zwischen weichen, moosbewachsenen Bänken, wo drei Karstquellen aufeinandertreffen. „Die Isarquelle ist für mich immer noch etwas ganz besonderes, obwohl ich schon so oft dort war. Die Quelle ist ein Ursprung, und Ursprüngliches ist für mich, gerade im Zusammenhang mit der Natur, immer mit tiefen Gefühlen verbunden“, sagt Zak. Dieser Ort übt eine ganz besondere Faszination aus, der man sich nicht einfach entziehen kann. Heutzutage würde man wohl Kraftplatz dazu sagen. Das Karwendelgebirge gilt gerade den Menschen im südbayrischen Raum als Bergheimat, wird aber von den Tirolern oft übersehen. Von der Landeshauptstadt aus nimmt man mit der Nordkette gewissermaßen nur die Fassade wahr und sieht nicht, welche ungeheure landschaftliche Schönheit sich dahinter verbirgt.

Halleranger: Ausflug ins Paradies

Der Extremkletterer hat schon viel von der Welt gesehen. Unter anderem hat Zak als zweiter Mensch die Kletterroute mit dem vielsagenden Namen „Separate Reality“ im Yosemite-Nationalpark free solo durchstiegen. In eine „Separate Reality“ – eine andere Realität –  taucht der Tiroler aber auch in seiner Bergheimat, dem Karwendel, ein. „Bergsteigerisch gibt es im Karwendel unendliche Möglichkeiten“, heißt es aus berufenem Munde. Wenn Heinz Zak das sagt, ist das ein Wort. „Im Grunde genommen sind die Klassiker völlig ausreichend, um sich auszuprobieren. Durchs Hinterautal ins Halleranger zu kommen ist für mich wie der Ausflug ins Paradies“, schwärmt Zak von einem der schönsten Plätze, die er weltweit gesehen habe.

Dort kann man übrigens auch ganz vorzüglich Klettern. Das Halleranger ist in den letzten Jahrzehnten zum Kletterzentrum im Karwendel avanciert, das für Kletterer aller Niveaus beste Voraussetzungen bietet. Heinz Zak hat dort in den vergangenen drei Dekaden immer wieder Erstbegehungen gemacht. In den letzten Jahren wurde das Klettern in dieser Gegend vom DAV Schwaben gefördert, um das Hallerangerhaus zu beleben. Das ist gelungen. Heute finden sich dort „tolle Routen, die im alpinen Stil im vierten bis sechsten Schwierigkeitsgrad geklettert werden können und perfekt eingerichtet sind.“ Der Klettergarten im Halleranger liegt nur zehn Minuten von der Hütte entfernt. Das Karwendel ist selbst für Extremkletterer, wie Heinz Zak zweifellos einer ist, ein durchaus reizvolles Terrain: „Es gibt hier im Karwendel alpine Mehrseillängenrouten bis zum zehnten Schwierigkeitsgrad.“ Zur Einordnung: Der höchste Schwierigkeitsgrad ist jenes Gebiet, auf dem sich der normale Wanderer gar nicht mehr vorstellen kann, dass irgendjemand in der Lage sein könnte, dort hinaufzuklettern. „Es ist alles da. Man kann sich in jedem Schwierigkeitsgrad richtig fordern“, weiß der Experte.

Vom Hallerangerhaus erreicht man unter anderem die Sunntiger Spitze, einen fabelhaften Aussichtsberg. Mit der Speckkarspitze liegt noch ein weiterer Klassiker in Reichweite. Wer es gerne etwas uriger und ruhiger als auf der verhältnismäßig vielbegangenen Speckkarspitze hat, kann auch den Kleinen Lafatscher besteigen oder sich mit der 2.749 Meter hohen Birkkarspitze den höchsten Berg des Karwendel untertan machen. Neben diesen und weiteren Klassikern gibt es im Karwendelgebirge viele Gipfel, die kaum begangen sind. Das liegt zum Teil daran, dass sie sehr abgelegen oder brüchig sind. Heinz Zak kennt sie alle. „Teilweise sind die Gipfel wirklich urtümlich und abgelegen. Das spürt man auch und das ist gut so“, sagt Zak.

Doch nicht nur das Karwendel weiß mit seinen Reizen nicht zu geizen. Das Seefelder Plateau ist für bergaffine Menschen ein Paradies. „Für Bergsteiger gibt es am Plateau in unmittelbarer Nähe eine ganze Reihe traumhafter Aussichtsberge“, sagt Zak und nennt beispielsweise die Reither Spitze und die Seefelder Spitze. Letztere ist ein nicht allzu anspruchsvoller Wanderberg, der die Gipfelankunft mit einem sagenhaften Ausblick ins Karwendel belohnt. Die im Tiroler Wettersteingebirge gelegenen Ahrnspitzen stehen den zuvor genannten Gipfeln in Sachen Panorama um nichts nach. Ein völlig zurecht beliebtes Ziel ist auch die Gehrenspitze, die sich für ambitioniertere Wanderer sehr gut eignet. „Gerade der Aufstieg von der Leutasch aus durch das Puittal ist sehr ruhig und naturbelassen“, weiß Zak. Auch die die Pleisenspitze erwandert Zak gerne. „In Verbindung mit einer Einkehr auf der urigen Pleisenhütte kann man das Bergsteigen noch so erleben, wie man es sich früher vorgestellt hat. Einfach lässig“, ist der Scharnitzer begeistert.

Mit der Begeisterung fürs Klettern hat auch die Leidenschaft fürs Fotografieren bei Heinz ihren Anfang genommen. Im zeit.los Magazin erzählt er weiter, wie er zu seiner ersten Kamera kam – und wohin ihn die Fotografie schon überall geführt hat. Den ganzen Beitrag kannst du online hier lesen!

Du hast nun außerdem Lust bekommen, das Karwendel zu erwandern? Alle Infos zu Heinz‘ „Paradies“ Karwendel findest du hier! Und kennst du schon den Karwendel Höhenweg? In 6 Etappen kannst du bei einer Mehrtagestour das Karwendel durchqueren und dabei seine schönsten Seiten entdecken.

Echt lässig! Klettergärten in der Region

Auf alle Kletterer – und die, die es noch werden wollen – wartet nicht nur das Karwendel, sondern auch die verschiedenen Klettergärten in unserer Region. Für Kletter-Profis, Familien und Anfänger ist in allen Schwierigkeitsgraden etwas dabei!

Ein neues Kletterparadies: „Sonnenplatten Scharnitz“

Ab September ist unsere Region um noch ein Kletterparadies reicher: Direkt am Tor zum Karwendel, in Scharnitz, entstand in den letzten Monaten ein neuer und eindrucksvoller Klettergarten. Heinz Zak war an der Enstehung des Klettergartens „Sonnenplatten Scharnitz“ federführend beteiligt. Zahlreiche Routen in den Schwierigkeitsgraden 3 bis 7 wurden neu eingebohrt und saniert. Außerdem wurde eine neue Chill-Area mit Slacklines, Tischen, Bänken und Brunnen zum Erfrischen und Relaxen erschaffen. Viele Parkplätze und eine Toilettenanlage machen den Klettergarten zum perfekten Ziel für alle Kletterer!

Am Freitag, den 06. September eröffnet der neue Klettergarten „Sonnenplatten“ in Scharnitz offiziell. Ab 10 Uhr geht es los. Komm‘ vorbei und entdecke deine Lieblingsroute!


Weiterführende Links:

Naturpark Karwendel

Der Karwendel Höhenweg

Zum Blogbeitrag: Karwendel Höhenweg

Isarursprung

Klettern in der Olympiaregion Seefeld


Fotos: Heinz Zak, Stefan Wolf

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