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Regions-Originale

Auf neuen alten Wegen: Bäuerin Simone Neuner

25. September 2019

Am Eingang des Gaistals schmiegt sich der Wirtseppelerhof in die idyllische Landschaft. Die Ausstrahlung des Bauernhofes hat eine magische Anziehungskraft. Dass sie den Hof einmal so führen würden, hätten sich Simone und Matthias Neuner noch vor einigen Jahren nie erträumt. Heute ist die Quereinsteigerin Simone Bio-Bäuerin aus Leidenschaft und bewahrt altes Wissen über Kräuter.

Den Wirtseppelerhof als Vollerwerb zu führen, war eigentlich nie Simones und Matthias‘ Plan. Ursprünglich hat Simone Wirtschaftsinformatik studiert und als sie während des Studiums Matthias kennen lernte, war ihr gar nicht so bewusst, dass er eine Landwirtschaft hat, die sie einmal übernehmen würde. Aber das Leben spielt einem manchmal eben einen Streich, und so wurde Simone Kräuterpädagogin, Kartoffel-Bäuerin, Hofladenbesitzerin, Vermieterin, zweifache Mama und Mädchen für einfach alles.

Die Uroma wusste es besser

Ihre Liebe zu Kräutern vermittelte ihr einst schon ihre Uroma, die ein fast unendliches Wissen über die Kraft der Natur hatte. „Das ist über die Generationen hinweg verloren gegangen“, bedauert Simone. Dieses Wissen hat sie sich wieder angeeignet und ist bestrebt, es zu erhalten und weiterzugeben. Im Sommer findet man sie daher meistens stundenlang in ihrem Kräutergarten, beim Einpflanzen, Jäten oder Ernten. Und wenn sie nicht dort ist, ist sie im Hofladen, im Stall, auf dem Feld, in den Ferienwohnungen, bei den Gästen oder beim Verarbeiten ihrer vielen Produkte. Die Aufgaben von Simone und Matthias sind so vielfältig wie die Kräuter in ihrem Garten. „Hier ist wirklich kein Tag wie der andere!“, lachen die beiden. Und dennoch wirken sie tiefenentspannt. „Das bin ich nicht immer!“, sagt Simone, „aber ich kenne ja die richtigen Kräuter dagegen!“ Ihr Lachen schwingt durch die Luft, die vom nahenden Gewitter aufgeladen ist.

Einen Arbeitsalltag gibt es am Wirtseppelerhof nicht – zum Glück! Durchschnaufen und Pause machen können Simone und Matthias nach einem langen Sommer erst, wenn die erste Schneedecke liegt.

Experiment Bio-Bauernhof

Die verschiedenen Standbeine des Bio-Hofes haben sich die beiden nach und nach aufgebaut. Überhaupt war der Hof am Anfang ein Experiment. Nach Simones zweiter Schwangerschaft ging sie nicht mehr in ihren Job als Unternehmensberaterin zurück, sondern widmete sich ihren Kindern und Kräutern. Matthias, eigentlich gelernter Elektriker, nutze indes die Vaterkarenz und konnte so ausprobieren, ob der Hof eine Zukunft hat. Die beiden waren sich einig: „Das ist super!“, und so wuchs der Wirtseppelerhof zu einem Bio-Bauernhof mit einer besonderen Philosophie.

„Alles, was man macht, muss nachhaltig sein“ ist Simones und Matthias‘ Leitsatz. „Man darf der Natur keinen Schaden zufügen, keine Gifte nutzen und die Natur nicht ausbeuten.“ Nach dieser Überzeugung führen sie ihre Mutterkuhhaltung und die Landwirtschaft. Die Kühe, Schweine, Enten und Hennen dürfen daher besonders viel Freiheit und Bewegung genießen. „Auch wenn das eigentlich unwirtschaftlich ist, weil sie ja viel mehr Energie verbrauchen, wenn sie so viel rennen.“

„Wir lernen unser Leben lang etwas dazu und das ist auch eine ganz wichtige Sache in der Landwirtschaft. Man darf die Augen nicht verschließen, sondern sollte sich weiterbilden und immer hinterfragen, ob das passt, was man da gerade so macht.“, sagt Simone

Zeit für das, was wichtig ist

Diesen Sommer war es ein ganz besonderer Vorteil, dass die beiden sich viel Zeit für ihre Tiere nehmen können. „Eine unserer Kühe ist im Rotmoos abgestürzt und in den Latschen hängen geblieben.“ Der Hirt fand das völlig geschwächte Tier. Es folgte eine spektakuläre Rettung: per Hubschrauber wurde die Kuh ins Tal geflogen. Auf der Hämmermoosalm pflegte Matthias sie zwei Tage lang, bis sie auf den Hof zurückkehren konnte. „Es geht ihr wieder super“, freut er sich. „Das war nur möglich, weil wir die  Zeit und Möglichkeiten auf unserem Hof haben.“

Auch ihre Eltern helfen noch tatkräftig mit. Der Zusammenhalt ist auf dem Generationenhof wichtig. Simones Papa und Matthias‘ Eltern packen an, wo es nötig ist: Im Stall, auf dem Feld, in den Ferienwohnungen, mit den Kindern. Simone und Matthias wollen mit ihrem Hof und viel junger Energie beweisen, dass ein Vollerwerb auch heute sehr wohl funktionieren kann. Ihr Ziel ist es, dass der Hof auch für zukünftige Generationen attraktiv bleibt und vorleben, was sich aus der Landwirtschaft alles machen lässt. Für die Zukunft sprüht Simone noch vor Ideen, was sie alles noch gerne tun würde. „Schauen wir mal, wo die Reise so hingeht!“, sagt sie gelassen und wieder schallt ihr freudiges Lachen über den Hof.


Der Wirtseppelerhof in Leutasch hat drei Ferienwohnungen für einen idyllischen Urlaub inmitten der Natur. Simone und Matthias zeigen ihren Gästen gerne ihr Leben am Hof und die gelernte Kräuterpädagogin Simone gibt Kräuterführungen. Im Hofladen werden die eigens hergestellten Produkte verkauft: „Wir möchten nur Gesundes aus eigenem Anbau anbieten!“. So findet man im Laden Eier, saisonales Gemüse, Kartoffeln, Würste, Sirup, Tees, Kräutertinkturen, Geschenke und noch vieles mehr in Bio-Qualität. Der Hofladen ist 24 Stunden geöffnet und versteht sich als Selbstbedienungs-Hofladen.

Beim Leutascher Adventmarkt verkaufen Simone und Matthias ihre köstlichen Kartoffelspirali vom eigenen Anbau und Heißen Holler. Eine Einkehr an ihrem Stand lohnt sich also auf jeden Fall!


Fotos: Fabrice Dall’Anese, Tessa Mellinger

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