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Leutasch is(s)t vegan: Florian Feckls kreative Küche

19. September 2019

Vegan in Tirol? Das sorgt vielleicht erst einmal für verwunderte Blicke. Dass diese beiden Dinge aber bestens zusammenpassen, beweist das Urlaubsrefugium aufatmen in Leutasch.  Wer hier auf dem Teller nach Fleisch oder überhaupt tierischen Produkten sucht, sucht vergeblich. Koch Florian Feckl kocht nämlich ausschließlich vegetarisch und vegan. Skeptiker und Fans dürfen sich im aufatmen positiv überraschen lassen.

Zugegeben, die Tiroler Küche ist für alles andere als ihre vegetarischen oder gar veganen Gerichte bekannt. Man darf Florian Feckl also ruhig ein wenig Mut unterstellen, wenn man von seinem kühnen Plan, in Leutasch eine vegane und vegetarische Küche zu führen, erfährt. Doch genau dafür ist er – mit seiner Familie im Gepäck – hergezogen. Sein Ziel: Die Menschen mit Begeisterung und Leidenschaft von seiner Vision zu überzeugen. Daher habe ich ihm in seiner Küche mal einen Besuch abgestattet. Ob ich anschließend überzeugt war? Lasst euch überraschen!

Und dann kam einer, der alles anders machte

Zu meiner Freude hat Florian mich in seine Küche eingeladen. Das freut mich deshalb besonders, weil ich bei diesem Besuch eine ganz besonders große Neugier mitbringe. Vegan in Tirol? Kann das funktionieren? Im Gespräch hat mir Florian erzählt, was ihn zu diesem Plan gebracht hat.

Die Entscheidung, auf Fleisch zu verzichten, kam natürlich nicht von heute auf morgen. Florian, der ursprünglich aus dem Raum Stuttgart kommt, hat „die klassische Kochlehre absolviert, mit Fleisch, Fisch und allem Drum und Dran“. Es folgten einige Jahre in renommierten Spitzenrestaurants, darunter auch in einem Sternerestaurant in München. Dort landete jeden Tag Fleisch en masse auf den Tellern. Wenn er auch die großartige Erfahrung nicht missen möchte, merkte Florian für sich: „Das ist einfach alles zu viel!“

Seine Frau Franziska war dann der treibende Faktor, dass er die vegetarische Küche mehr und mehr entdeckte. Auf ihren Wunsch beschäftigte er sich mit dieser und wählte so auch seine nächste Arbeitsstelle aus. Im Restaurant Tian in München kochte er vegetarisch, belegte zudem noch Kurse und Fortbildungen. Nach zwei Jahren war es Zeit für einen neuen Umbruch. Genau zum rechten Zeitpunkt erfuhr er, dass das aufatmen einen neuen Koch suchte. Schnell war ein Termin ausgemacht und Florian und seine Frau reisten nach Tirol, um sich mit der Hoteliers-Familie Pfeiffer zu treffen.

„Das Herz meiner Frau ist sofort höhergeschlagen, als es hieß, wir könnten nach Tirol ziehen!“, lacht Florian. Auch er war nicht abgeneigt. Beim ersten Kennenlernen war sofort klar: Florian und das aufatmen, das passt wie der Topf zum Deckel!

Paradies vor der Haustüre

Der Umzug in die neue Heimat fiel Florian und seiner Familie nicht schwer. „Früher, als ich im Urlaub in Tirol war, habe ich mich von den Bergen ein wenig bedrückt gefühlt“, erinnert sich Florian. „Heute fühle ich mich durch sie gestärkt.“ Er, seine Frau und kleine Tochter genießen sie nun in vollen Zügen: Vor dem Arbeiten und an freien Tagen fahren sie mit dem E-Bike ins Karwendel oder gehen entlang der Isarauen spazieren. Im Winter freuen sie sich schon aufs Langlaufen und Skifahren. „Die Natur und unsere gemeinsame Zeit in den Bergen ist wertvoll für unsere kleine Familie!“

Jetzt mal wirklich – vegan in Tirol? Na klar!

Seit Mai 2019 ist Florian fester Bestandteil der Küche des Hotels. Er genießt hier die volle Freiheit, um seine Kreativität zu entfalten. So entstehen Gerichte, die überraschen. Florian ist bemüht, immer Neues auf den Tisch zu zaubern. Er kreiert laufend neue Gerichte – wie bei so vielem im Leben funktionieren die mal super, mal nicht so gut. Marillenknödl, Leibspeise vieler Tiroler, sind ihm als vegane Variante zum Beispiel bestens gelungen. „Von anderen Gerichten lasse ich lieber die Finger“, sagt Florian und erzählt mir schmunzelnd von misslungenen Kaspressknödl-Versuchen. „Manche Dinge muss man nicht nachmachen“. Damit hat er Recht, denn in seinem Koch-Repertoire sind einfach zu viele Rezepte, die himmlisch gut sind, ohne eine Kopie zu sein.

„Und wie nehmen die Gäste die neue Speisekarte an?“, frage ich Florian beim Gespräch neugierig. „Das Feedback der Gäste ist wirklich gut“, freut er sich. „Manchmal kommt auch der ein oder andere Gast mit Fragen oder Anregungen. Für konstruktive Kritik bin ich immer gerne offen.“

Die Gäste im aufatmen können entscheiden, ob sie vegetarisch oder vegan essen möchten. Manchmal sind sie so überrascht, dass sie kaum glauben können, dass ein Gericht wirklich frei von tierischen Produkten ist. „Wir kochen hier ehrlich!“, erklärt Florian und erzählt den Gästen in der offenen Küche gerne mehr über seine Zutaten. Das sorgt für eine offene Atmosphäre im Restaurant.

Zu meiner großen Freude komme auch ich in den Genuss, Florians Kreationen zu kosten. Wortlos stellt er mir eine Tasse gefüllt mit einem weißen Schaum hin. Hübsch schaut sie aus – und riecht noch viel köstlicher! „Rate mal, was das ist“, fragt Florian mit einem verschmitzten Grinsen. Er ahnt wahrscheinlich schon, dass ich nicht drauf kommen werde… Aber so leicht gebe ich nicht auf! Der hauchzarte Schaum zergeht mir auf der Zunge, der Geschmack ist frisch und intensiv. Die weiße Farbe hat mich verwirrt – eine Tomatensuppen-Kreation hat Florian mir aufgetischt. Wenn ihr jetzt nach meiner ehrlichen Meinung fragt, dann kann ich euch nur empfehlen: Stattet dem aufatmen einen Besuch ab! Florian zeigt neue Wege in die Zukunft auf und beweist, wie gut man vegan und vegetarisch essen kann. Mutig, fortschrittlich und einfach echt gut – das ist seine Küche. Wer das nicht glaubt, sollte sich sofort einen Tisch im aufatmen reservieren und den Selbstversuch starten!


Das Urlaubsrefugium aufatmen liegt inmitten des schönen Leutaschtals. Im Restaurant stehen täglich 10 Plätze zur Reservierung für externe Gäste zur Verfügung. Wer Florian Feckls Küche probieren möchte, kann ein 4-Gänge Menü oder ganz nach Geschmack Teile davon genießen. Und für alle, die Ruhe und Entspannung suchen, sind die Yoga-Workshops und Retreats das Richtige.

Fotos: aufatmen, Florian Steiner

 

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