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Regions-Originale

Regions-Originale: Monika und Hansi Bantl

14. November 2019

Ganze 2 380 Einwohner zählt  das Leutaschtal.  2 davon sind Monika und Hansi „Bantl“ Neuner. Sie stehen für die Leutasch wie kaum jemand anderes: Sie sind hier verwurzelt und tragen viel dazu bei, dass auch andere dieses schöne Fleckchen Erde kennen lernen. Ihnen sind Veranstaltungen wie der Leutascher Kapellenadvent zu verdanken. Uns hat Hansi von ihrem Leben und Tun in der Leutasch erzählt. 

Hansi „Bantl“ Neuner

Meistens stellt Hansi sich als „Bantl Hansi“ vor – obwohl er doch eigentlich Hans Neuner heißt. Verwirrend? Nein, im Gegenteil: Den Namen „Bantl“ trägt er seit seiner Kindheit. Denn wer im Telefonbuch in Leutasch nach „Hans Neuner“ sucht, findet mehr als 10 Einträge. Um Verwechslungen auszuschließen, gab man Hansi den Namen des Hofes, auf dem er aufwuchs: Der Bantl-Hof. Dort wurde Hansi vor 70 Jahren geboren, wuchs dort auf und verbrachte die längste Zeit seines Lebens in der „Luitasch“, wie die Einheimischen es aussprechen. Hier sind seine Wurzeln – tief und fest im Boden des Leutaschtales vergraben. Das hat Hansi als Menschen geprägt: Ein treuer Mensch ist er, ehrlich, charismatisch – und voller Ideen.

Wer ruht, der rastet

Hansis beruflicher Werdegang war alles andere als ein „gerader Weg“. Zunächst lernte er in der Landwirtschaftsschule. „Damals war es bei uns halt irgendwie selbstverständlich, dass man in die Landwirtschaft geht“, erzählt er. „Die Schule in Imst war ja außerdem ganz gut!“. Danach folgte eine Lehre als Berufsjäger. Dieser Beruf brachte ihn sogar einmal um die halbe Welt: Ein Jahr verbrachte er auf einer Estancia, einem Landgut, im argentinischen Patagonien. Doch irgendwann war es mit der Jagd für ihn vorbei. Aber Hansi ist ein Mensch, der immer neue Ideen hat. So fing er im Sommer als Wanderführer an, im Winter arbeitete er als Langlauflehrer. Ein Tiroler, wie er im Buche steht, könnte man sagen. Mit den Berufen als Wanderführer und Langlauflehrer hat Hansi seine wahre Berufung gefunden. Denn er hat nicht nur ein gutes Gespür für Menschen, sondern weiß auch (fast) alles über die Natur und ihre Bewohner.

Die Natur, ein heilig’s Fleckchen Erde

Wer einmal mit ihm in den Bergen war, der weiß: Keiner weiß mehr als der Hansi! Er kennt jedes Blattl, jeden Tierlaut, ja einfach jeden Stein in der Leutasch. „Das habe ich von meinen Eltern mitbekommen“, verrät er. „Mein Vater wusste viel über die Pflanzen, was man so essen kann und was nicht – das hat ihm in Russland das Leben gerettet“. Dort war er während des Krieges nämlich in Gefangenschaft. „Seine Kenntnisse sind bei den Russen ganz gut angekommen“, schmunzelt Hansi. „Sie haben alle vor dem Verhungern gerettet, und so haben die Russen ihn wohl ganz gerne gemocht!“. Das Wissen gab der Vater auch an seine Kinder weiter. Natürlich, alles wusste Hansi zu Beginn seiner Tätigkeit als Wanderführer noch nicht. Doch wenn Hansi einmal eine Antwort nicht parat hat, sagt er stets: „Ich weiß es heute nicht. Aber geh‘ morgen wieder mit mir, dann weiß ich es!“.

Wo sich Natur, Kultur und Geschichte vereinen

16 Kilometer lang erstreckt sich das Leutaschtal in seiner ganzen Schönheit. 25 Weiler zählt es und grenzt direkt an Deutschland, der nächste Ort über der Grenze ist Mittenwald.

Hansi und Monika sagen über die „Luitasch“, ihre Heimat: „Es gibt wohl keinen schöneren Fleck auf der Erde!“. Diese Schönheit möchten sie auch anderen zeigen und so veranstalten sie gleich drei Mal im Jahr ganz besondere Veranstaltungen. Die erste beginnt im Frühling, der ja immer ein klein wenig später in die Berge einzieht als im Rest der Welt. Im Juni, wenn die ersten Alpenblumen blühen, tragen Monika und Hansi Bantl die Bergfrühlingstage aus. Eine Woche wird gewandert, die Natur genossen, gelernt und köstlich gegessen. Es ist der perfekte Beginn eines Bergsommers. Genau diesen lassen sie im Herbst auch wieder ausklingen: Bei den Ganghofer Hubertuswochen gibt Hansi sein Jäger-Wissen weiter. Doch eine Veranstaltung übertrifft diese zwei vielleicht noch um ein kleines Bisschen: Der Leutascher Kapellenadvent.

Eine Adventstradition wie keine andere: Der Leutascher Kapellenadvent

Es ist nun 16 Jahre her, dass Hansi und Monika den Leutascher Kapellenadvent ins Leben gerufen haben. „Zunächst waren da mehr Leute von der Musik dabei als Gäste!“, lacht Hansi. Doch sie ermutigten sie, diese ganz besondere Tradition unbedingt weiterzuführen. Und heute kommen jeden Freitag und Samstag im Advent bis zu 200 Leute in die Leutasch, um den Kapellenadvent zu erleben.

Es ist eine Tradition, die die Ruhe, die Besinnung und die eigentliche Adventszeit wieder zurück holt. Nur die Fackeln und Laternen der Teilnehmer erleuchten den Weg, während sie von Kapelle zu Kapelle durch das Leutaschtal gehen.

Wer so durch den Schnee stapft, dem sanften Flackern der Fackeln zuschaut, an den Kapellen innehält und den leisen Klängen der Musik lauscht, der fühlt es: Die Ankunft. Die Ankunft der inneren Ruhe, der Besinnung und des Friedens mit sich selbst.

An den Kapellen wird innegehalten und die Geschichte der Kapellen erzählt. Die älteste Kapelle aus dem Tal, die Zenznkapelle in Unterleutasch, stammt circa aus dem Jahr 1660.

Im Anschluss an die Wanderung findet ein „Hoangart“ statt, eine Einkehr in ein Gasthaus. „Die Einkehr gehört genauso zur Adventszeit dazu“, sagt Hansi. Er ist glücklich, dass die Gasthäuser in der Leutasch häufig extra an diesen Tagen für die Gäste des Kapellenadvents aufsperren und immer etwas Besonderes kochen, das es sonst nicht gibt. Oft sind das fast vergessene, traditionelle und köstliche Rezepte.

„Und auch die Musi freut mich immer ganz besonders!“, erzählt Hansi. Musikgruppen und Sänger aus dem gesamten Alpenraum fragen mittlerweile bei Hansi an, ob sie einmal den Kapellenadvent begleiten dürfen. Die Freude und Dankbarkeit darüber steht Hansi, der selbst seit seinen jungen Jahren bei der Musi ist, ins Gesicht geschrieben. Das Lächeln reicht ihm über beide Ohren, während er textsicher jedes Lied der Chöre mitträllern kann.

Eine treue Seele

Hansi hat sein Herz am rechten Fleck sitzen. Und mit Monika, dem Organisationstalent der beiden, kann man das Duo nur einfach gern haben. Ihre Gäste sind ihnen über die Jahre auch sehr ans große Herz gewachsen. Eigentlich sind die meisten nämlich viel mehr als „nur“ Gäste. „So über die Jahre macht man ja viel miteinander durch! Und manchmal bin ich auch ein klein wenig der Beichtvater“, schmunzelt Hansi. Nichts genießt er mehr, als seine Gäste immer wieder in der schönen Leutasch begrüßen zu dürfen. Seit über 20 Jahren kommen viele von ihnen bis zu drei Mal im Jahr wegen Hansi und Monika in die Region. „Ich habe immer noch eine Stammgruppe aus der Zeit als Langlauflehrer“, erzählt Hansi. „Ich habe denen nach meiner Pension versprochen: So lang‘ sie leben und so lang‘ i leb‘, geh i mit ihnen Langlaufen!“. 32 Jahre kommt die Truppe von der „Waaterkant“, vom hohen Norden Deutschlands, nach Tirol. Lange Zeit waren die „Nordlichter“ und Hansi in den Gasthäusern berühmt-berüchtigt. „Letzten Winter waren noch 4 von der Gruppe da. Aber mir ist das gleich!“, sagt Hansi. „Der Termin steht, und bis der letzte nimmer kommt, bin ich sicher da!“.

Man muss auch gönnen können

„Ein Lebensmotto, das habe ich eigentlich nicht“, sagt Hansi. Doch ein Spruch begleitet ihn durchs Leben: „Leben und leben lassen!“. Er meint: „Wenn ich glücklich bin, dann soll es anderen auch gut gehen!“. Dazu tragen Hansi und Monika ein ganz großes Stück bei. Mit ihren Veranstaltungen bereichern sie die ganze Region. Sie bringen nicht nur Menschen aus der Ferne zu uns, sondern sorgen auch dafür, dass die Leutascher selbst ihr Tal und seine Kultur erleben und genießen. Und wie soll es weiter gehen? „Ja, so bleiben, wie es ist, tuat’s ja nie!“, sagt Hansi. „Aber ich wünsche mir, dass die Entwicklung mehr in Richtung Nachhaltigkeit geht und wir schätzen, was wir an unserer schönen Natur haben.“

Weiterführende Infos:

Die Kapellenwanderungen im Rahmen des Leutascher Kapellenadvents finden an den vier Adventwochenenden jeden Freitag und Samstag um 17 Uhr statt. Eine Anmeldung für die Wanderung ist nicht erforderlich. Es wird jedoch um eine Reservierung in den Gasthäusern erbeten, wenn man danach bei der Einkehr teilnehmen möchte.

Auch bei den Bergfrühlingstagen freuen Hansi und Monika sich über alte und neue Gesichter. Es wird gewandert, gelernt, gelacht und köstlich gegessen. Bei den Ganghofer Hubertuswochen kann man mehr über die Jagd und Kultur in der Leutasch und im Gaistal erfahren.

Weiterführende Links:

Winter in der Olympiaregion Seefeld

Fotos: Fabrice Dall’Anese, Stefan Elsler, Österreich Werbung

 

 

 

 

 

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