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Tiroler Ostertradition – Echt feine Fastensuppen

25. Februar 2020

Alljährlich beginnt am Aschermittwoch in Tirol die traditionelle Fastenzeit. Ein alter christlicher Brauch, der Körper und Geist in den 40 Tagen bis Ostern reinigen und stärken soll. Im Fokus stehen dabei aber nicht unbedingt Körperkult und überflüssige Kilos, sondern eher ein Abspecken überflüssiger Routinen und ein Hinterfragen eigener Lebensmuster. Der reinigende Frühjahrsputz liegt längst (wieder) voll im Trend und kann ausgesprochen vielfältig gestaltet werden: Man verzichtet auf Spirituosen, Fleisch und süße Sünden, schaltet einfach mal das Smartphone auf stumm oder trifft sich zu köstlichen Tiroler Fastensuppen.

Flüssiges bricht das Fasten nicht

Früher wurde das christliche Fasten noch deutlich strenger verfolgt – tagsüber war höchstens eine fromme (fleischlose) Fastenspeise erlaubt. Seit jeher gilt in der katholischen Kirche dabei der Grundsatz „Flüssiges bricht das Fasten nicht.“ Findige bayerische Klosterbrüder brauten darum übrigens einst das erste Starkbier – und bekamen dafür sogar den päpstlichen Segen: Als die entsandte Kostprobe 1751 nämlich völlig verdorben den Vatikan erreichte, lobte der heilige Kirchvater die außerordentliche Leidensfähigkeit der Paulanermönche und segnete das kräftige Fastenbier von Gottes Gnaden. Das 40-tägige Biergebet muss man den frommen Klosterbrüdern heute allerdings nicht nachmachen – man kann auch ganz ohne Kater Buße tun. Und zwar mit feinen Fastensuppen, die in Tirol am Aschermittwoch traditionell gemeinsam genossen werden. Dann laden lokale Vereine und Familien in spontanen Suppenküchen zu flüssigen Köstlichkeiten ohne Fleisch. So auch in Leutasch, wo jeden Aschermittwoch am Föhrenwaldplatzl in Leutasch (gegenüber Sport Wedl) kostenlos feine Fastensuppen serviert werden.

Fastensuppen für Feinschmecker

Für eine dieser feinen Fastensuppen haben mir die Leutascher Suppenmeisterinnen Maria, Christl und Margit ihr Rezept verraten. Die Grundlage solcher Suppen liegt dabei in der heiligen Dreifaltigkeit ihrer Zutaten: Butter, Mehl und Brühe (wahlweise Wasser) – sonst nichts. Eine ganz klassische „Brennsupp’n“ also, die dann aber noch mit allerlei Feinheiten erweitert werden kann, wissen die drei Suppenschwestern. Einfach und bekömmlich soll eine Fastensuppe sein – das folgende Rezept darf man darum gern zuhause nachkochen, mit Freunden teilen und auch nach Lust und Laune erweitern.

Zutaten

  • 40 g Fett
  • 40 g Mehl
  • 2 kleine Zwiebeln
  • 3 Karotten
  • 1 Stück Sellerie
  • 1 Zehe Knoblauch
  • etwas Lauch
  • gut 3 Liter Wasser
  • Petersilie
  • Salz, Pfeffer, Kümmel, Muskat, Lorbeer, Majoran, Rosmarin, Wacholder

Nach Geschmack

  • einige mehlige Kartoffeln
  • eine Handvoll heimische Pilze
  • einige Pastinaken
  • altbackenes (Schüttel-)Brot
  • Getreideflocken
  • Gerstenkörner
  • Schnittlauch
  • Ein Spritzer Weißwein(-essig)
  • Eine Prise Zucker

Zubereitung

Zwiebeln, Pastinaken und Karotten schälen, Lauch waschen und schneiden, Sellerie schälen, Petersilie vom Stängel zupfen, Knoblauch zerquetschen und alle Gemüsereste mit Salz und Wasser etwa drei Stunden zu einer kräftigen Brühe kochen. Dann die Feststoffe entfernen, den Sud beiseitestellen, die Zwiebeln fein hacken und mit der Butter glasig dünsten. Anschließend das Mehl beigeben und gold- bis dunkelbraun rösten, schließlich mit der Brühe ablöschen und unter stetigem Rühren zu einer cremigen Brennsuppe binden. Schlussendlich die Karotten und den Sellerie fein würfeln und in der wallenden Brühe weichkochen. Mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Gewürzen nach Geschmack veredeln und mit Petersilie garniert servieren. Mit oder statt dem Wurzelgemüse können der feinen Fastensuppe nach Leutascher Art auch heimische Pilze (Schwammerlsupp‘n), Kartoffeln (Erdäpflsupp‘n), Gerstenkörner (Gerstlsupp’n) oder etwas Brot (Bauernsupp’n) als Einlage beigefügt werden.

Frisch gezapfte Fastenfreuden

Wer fastet, unterhält ein kontrolliertes Kaloriendefizit, weiß der Ernährungsspezialist. Das reinigt den Darm, Körper und Geist – führt gelegentlich aber auch zu kleinen Kälteschauern, leichter Reizbarkeit und hungrigem Murmeln im Magen. Diesen ganz normalen Nebenwirkungen kann man dann nicht nur mit köstlichen Tiroler Fastensuppen entgegenwirken, sondern auch mit feinen Teeaufgüssen oder einem wohltuenden Wellnessaufenthalt. In den mittelalterlichen Mauern des Klosterbräu & Spa im historischen Dorfkern von Seefeld kann man dabei sogar auf den Spuren Bayrischer Klosterbrüder wandeln – hausgebrautes Biergebet inklusive.


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Fotos: Chris Weittenhiller

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