Home
Regions-Originale

Das Seefelder Dienstagsmarktl: Wo sich Regionalität und internationales Flair begegnen

18. September 2022

Kaum ein Ort lädt so zum Austausch ein wie ein Markt. Das gilt auch für das Dienstagsmarktl in Seefeld, das von Juni bis September jeden Dienstag von 10 bis 16 Uhr am Dorfplatz stattfindet. Dabei ist der kleine Markt wirklich etwas Besonderes: Er ist kein reiner Wochenmarkt für die Einheimischen, auf dem Brot, Wurst, Käse, Obst und Gemüse verkauft werden. Genauso wenig ist er ein reiner Touristenmarkt, der nur Andenken und spezielle regionale Schmankerl anbietet. Nein, das Dienstagsmarktl kann beides, und so trifft sich am Dorfplatz eine bunt gemischte Klientel aus Einheimischen, Tagesauflüglern und Gästen. Der heimische Dialekt mischt sich mit denen der Nachbarregionen und vielen internationalen Sprachen. Aus diesem Mix ergeben sich immer wieder wunderbare Szenen: Im Schatten der Seefelder Pfarrkirche unterhält sich eine verschleierte Urlauberin aus dem arabischen Raum lachend mit einer Touristin im Minirock, und beide grüßen fröhlich die Dirndl tragende Kellnerin vom angrenzenden Lokal.

Diese besonderen Momente zu beobachten, macht nicht nur als Marktbesucher Spaß. Für die Standler, wie die Standbetreiber in der Region liebevoll genannt werden, sind sie der besondere Reiz, der die meisten von ihnen seit vielen Jahren in jeder Marktsaison wieder in die Plateaugemeinde kommen lässt. Dadurch sind sie quasi zu einer Familie zusammengewachsen und machen damit den Markt wiederum zu einem besonderen Erlebnis: Im Gespräch mit den Standlern mischen sich Stöbern, Einkaufen und kulinarische Schmankerl Genießen mit dem Kennenlernen der Region und manch einem seiner Unikate. Einige davon möchten wir im Folgenden näher vorstellen und so einen kleinen Einblick gewähren, was einen außer nachhaltiger Ware aus der Region noch so alles jeden Dienstag am Dorfplatz erwartet.

Ferdinand Schot: „Ferdi’s Imkerei“

Da wäre zunächst einmal Organisator Ferdinand Schot von „Ferdi’s Imkerei“: Der leidenschaftliche Imker vertreibt bereits seit Jahren seine wertwollen Bienenprodukte am Dienstagsmarktl. Heuer übernahm zusätzlich mit viel Herzblut die Organisation des Marktes: „Der Markt ist für uns heimische Unternehmer wichtig und wurde über Jahre erfolgreich aufgebaut – darum kümmere ich mich gern um die Organisation.“ Wenn ihn das Dienstagsmarktl nicht in Anspruch nimmt, dann geht Ferdi, wie ihn alle nennen, mit viel Enthusiasmus seiner Haupttätigkeit nach – dem Betreiben seiner eigenen Imkerei in Mösern. Hier nennt er circa 500 Bienenvölker sein Eigen und überzeugt Einheimische wie Gäste mit seinen sorgfältig hergestellten Produkten. Die lokale und auf Nachhaltigkeit ausgelegte Produktpalette reicht von Honig und kleinen süßen Naschereien über Honig-Schnaps und -Wein bis hin zu Kosmetik und Gesundheitsprodukten mit Honig und Propolis. „Es liegt mir am Herzen, dass ich durch mein Schaffen mehr der Natur zurückgeben kann, als ich entnehme.“

Thomas Kluckner & Waal Sterneberg: „Zomm – Meilerhof“

Was den Fokus auf Nachhaltigkeit angeht, ist sich Schot mit eigentlich allen Standlern einig. So auch mit den Marktneulingen Thomas Kluckner und Waal Sterneberg vom Restaurant „Zomm – Meilerhof“: 2018 haben die beiden befreundeten Spitzenköche den Meilerhof übernommen, mit dem Vorhaben regionale, saisonale Küche von nose to tail anzubieten. Mit dieser Philosophie sind sie mittlerweile zu weit mehr als einem Geheimtipp in der Region geworden. Am Dienstagsmarktl gibt es diese besondere Spitzenküche nun auch zum Mitnehmen. Am Stand findet man süße Leckereien – hausgemachte Sirups, Müslimischungen, und Marmeladen – sowie herzhafte Köstlichkeiten wie saisonale Sugi, Pesti, Soßen oder Suppen. „Gern kann man sich auch kleine Geschenkkörbe zusammenstellen oder Kostproben vor Ort genießen“, sagt Sternebergs Ehefrau Anne Sus, die den Marktstand betreut und Gäste wie Einheimische kompetent berät, welche lokalen Gaumenfreuden sich am besten zuhause genießen lassen.

Alois Haslwanter: „Rasler“

Lokale Schmankler zum Mitnehmen gibt es auch bei Alois Haslwanter – „Rasler“: – Seit 150 Jahren stehen beim Rasler regionale Produkte aus der eigenen Landwirtschaft im Fokus. Das zeigt sich auch jede Woche am Dienstagsmarktl. Alois verkauft mit Begeisterung, was er und seine Familie zuvor selbst am Hof herstellt haben: Speck, Würste, Liköre, Kräutermischungen und Säfte, um nur ein paar Dinge zu nennen. „Wir machen das Allermeiste selbst, anfangen beim Räuchern bis hin zum Schnapsbrennen. Selbst die Marillen stammen vom alten Baum an unserem Hof in Reith.“ Nur der Käse werde zugekauft. „Aber das seit 40 Jahren beim selben Bauern aus der Region.“ Egal was man also beim Rasler mitnimmt, man hält immer ein echtes Stück Tirol in den Händen.

Monika Praxmarer: „Natur pur – Holzandenken und Holzgravur“

Ein echtes Stück Tirol kann man sich am Dienstagsmarktl aber nicht nur zum Essen mitnehmen, es gibt sie auch als Dekoration oder Mitbringsel mitnehmen möchte. So zum Beispiel bei Monika Praxmarer – „Natur pur – Holzandenken und Holzgravur“: Monika kommt jede Woche aus dem 40 Kilometer entfernten Roppen nach Seefeld, weil ihr das Dienstagsmarktl wie eine zweite Heimat geworden ist. „Ich liebe den Zusammenhalt und die familiäre Stimmung hier, und den kleinen runden Marktplatz mit seiner einheitlichen Gestaltung.“ Seit ihrer Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof bastelt Monika gern mit Holz. Die Baumscheiben, die sie meist mit Gravuren verziert, stammen von den Ahornbäumen aus ihrem eigenen Garten. „Die Äste wachsen nach, und Müll verursacht man so auch keinen.“ Das sei schon echte Nachhaltigkeit. Außerdem freut sie sich jedes Mal, wenn ein Kunde – ob aus der Region oder von weiter her – mit einem ihrer handgemachten Naturprodukte in Händen ihren Stand verlässt.

Leni Prast: „Bauernblumen“

Handgemacht und mit viel Tradition und Liebe behaftet sind auch die Stücke von Praxmarers Standnachbarin Leni Prast – „Bauernblumen“: Die Telferin kann mit Fug und recht als das Urgstein des Dienstagsmarktls bezeichnet werden. „Ich hab‘ sogar schon einmal eine Ehrung für 10 Jahre Markt bekommen“, meint sie bescheiden lächelnd. Und nicht nur das, sie kann auch auf über 20 Jahre Handwerksfest, viele Jahre Markttage und Christkindlmarkt sowie unzählige andere Märkte in Seefeld zurückblicken. Und trotzdem freut sie sich immer noch sehr, wenn sie ihre selbstgemachten Bauernblumen und anderen Kostbarkeiten am Standl verkaufen kann. „Ich arbeite täglich dran, dass ich es noch eine Weile schaff‘“, sagt die über 80-Jährige und ihr blauen Augen blitzen fröhlich unter ihrem schwarzen Hut hervor. Besondere Hüte und eine stets sehr adrette Kleidung sind Lenis Markenzeichnen und machen sie wahrscheinlich zu meist fotografierten Standlerin.

Die Produkte, die sie verkauft, von selbst gesteckten Trockenblumenarrangements bis zu Schmuck und auch mal Handgestricktem, macht sie alle selbst. Die christliche Symbolik ist ihr dabei wichtig. Der internationale Kundenstamm ihr ganzer Stolz: „Es kamen schon Finnen zu mir, Italiener, Franzosen – das macht mir große Freude.“ Und auch wenn sie bedauert, dass sie keine der fremden Sprachen spricht, so findet sie mit ihrem Lächeln und ihren strahlenden Augen doch immer einen Zugang zu ihren Kunden.

Pfarrer Bernd Fetzer: „Brot und Wurst“ auf dem Dienstagsmarktl

Einen besonderen Zugang zu seinen Kunden und zum Markt selbst, hat Pfarrer Bernd Fetzer, der mit „Brot und Wurst“ die Standreihe von Praxmarer und Prast schließt. Aber wie kommt ein Pfarrer eigentlich auf den Markt? Das ist im Falle von Bernd Fetzer eine lange Geschichte, die der wortgewandte evangelische Theologe gern erzählt. Angefangen habe alles bei seiner letzten Pfarrstelle im Odenwald mit der Suche nach einem neuen Menü für das Essen nach der Hubertusmesse. Mit zwei befreundeten Köchen entwickelte er Würste voll innovativer Zutaten, die ihnen dann förmlich aus der Hand gerissen wurden. „Parallel dazu bestand in der Gemeinde ein hoher Bedarf an Kinderbetreuung, deren Aufbau wir schließlich über die weitere Produktion und den Verkauf unserer neuen Würste finanziert haben.“

Verkauft wurde auf den umliegenden Märkten, und das übernahm der Herr Pfarrer. „Ich mag den Markt, nie bist du den Menschen und dem Leben näher.“

Das mittendrin Sein eröffne oft spannende Gespräche, auch über religiöse Themen. So ist es kein Wunder, dass Fetzer, als es ihn der Liebe wegen nach Tirol zog, zum Dienstagsmarktl kam. Beinahe hätte er sogar seine Promotion in Innsbruck zum brisanten Verhältnis von Markt und Kirche verfasst, ist dann aber doch seinem Ursprungsthema treu geblieben. Trotzdem sammelt er seine Beobachtungen und Geschichten, die er Woche für Woche in Seefeld erlebt, schreibt dazu, parliert gekonnt in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch und verkauft begeistert Brot und Würste. Letztere werden nach wie vor Großteils von ihm selbst in der kleinen Odenwalder Wurstmanufaktur vom Beginn seiner Marktkarriere hergestellt. Humorige Sprüche, wie dass einem beim Genuss vom Hildegard von Bingen Bort kurzzeitig Flügel wachsen können, gibt es gratis dazu. Und man spürt, dass es stimmt, wenn Fetzer sagt: „Ich liebe es einfach, hier zu sein.“

Fetzers Liebe zum Dienstagsmarktl wird wohl von allen Standler und sicher auch von vielen Besuchern geteilt. Nicht umsonst kommen Standler wie Käufer Jahr für Jahr oder gar Woche für Woche wieder. Doch auch ein einmaliger Besuch lohnt sich! Allerdings darf man sich nicht wundern, wenn man dann ganz schnell doch zum Stammkunden wird.

Das Seefelder Dienstagsmarktl: von Juni bis September

Neugierig geworden? Die „Standler“ auf dem Dienstagsmarktl freuen sich auf deinen Besuch! Geöffnet hat das Dienstagsmarktl jeden Dienstag von Juni bis September. Jeden Dienstag von 10 bis 16 Uhr – ganz unabhängig von der Witterung. Ort: der idyllische Dorfplatz in der Seefelder Fußgängerzone. Alle Infos gibt’s auch hier noch einmal.


Das könnte dich auch interessieren:

Regional einkaufen: unsere Hofläden und ihre Produzent:innen

Das Seefelder Plateaufrühstück: ein nachhaltiger Start in den Tag

Die Tracht: unser schönstes G’wand


Fotos: Thomas Steinlechner, Kathrin Hoch, Raphael Chrysochoidis

Tags: , , , , , , , , , , , ,

#visitseefeld