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Die Tracht: Unser schönstes Gwand

1. September 2022

Unser schönstes G’wand – und alles, was Du darüber wissen solltest

Weltweit bekannt und doch wissen so wenige, was es wirklich damit auf sich hat: Die Festtagstracht. Nicht nur jedes Tal, sondern sogar fast jedes Dorf hat seine eigene. 

Zwischen Tradition und Heimatverbundenheit ist die Tracht viel mehr als ein weltweit bekanntes „Alpen-Klischee“ oder ein Kostüm. Bereits der Film „The Sound of Music“ aus dem Jahre 1965 verbreitete das Bild der österreichischen Tracht in der ganzen Welt.

Man sollte jedoch auf keinen Fall den Fehler machen und die Begriffe „Tracht“ und „Trachtenmode“, egal ob als Zugezogener (so wie ich) oder als Urlauber, in einen Topf werfen, denn es handelt sich hierbei keinesfalls um das Gleiche, auch wenn die Begriffe noch so ähnlich sind.

Tracht gleich Trachtenmode?

Die Tracht – ein Festgewand für besondere Anlässe – ist wahrlich ein Teil der Volkskultur. Doch was genau hat es damit eigentlich auf sich und wo genau lieg der Unterschied zwischen Tracht und Trachtenmode? Als Unwissender kann man schnell ungewollt in ein Fettnäpfchen treten. Aber keine Sorge, um das zu vermeiden, haben wir hier das Wichtigste für Euch zusammengefasst.

Tracht ≠ Trachtenmode

Die Tracht als Spiegel der Gesellschaft

Die traditionelle Tracht steckt voller Geschichte und fungierte schon immer als Spiegel der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, weshalb sich die Tracht auch stetig weiterentwickelt. Anhand der Tracht konnte man früher also nicht nur die Herkunft, sondern auch den Familienstand des jeweiligen Trägers oder Trägerin erkennen. Getragen wird sie auch heute noch vor allem bei Prozessionen oder Feiern. Sie steht für Festlichkeit und Gemeinschaft und steigert das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Wie heißt es so schön? „Kleider machen Leute“. Laut Dr. Angelika Neuner aus Mösern, Trachtenspezialistin und studierte Ethnologin, fühlt man sich in dem Festgewand fast wie eine andere Person. Man geht aufrechter und schlüpft quasi in eine andere Rolle. Zudem sagt sie, müssen Frauen auf eine richtige „Sitzkultur“ achten – nicht, dass der Rock verrutscht und man plötzlich mehr Haut zeigt, als man eigentlich will.

Ein aussterbendes Traditionshandwerk

Bei der Tracht handelt es sich also um ein individuelles, mit dem Träger eng verbundenes Festgewand, welches aus edlen Stoffen gefertigt wird – ein wahres Traditionshandwerk, das nur noch wenige beherrschen. Auf Grund der immer weniger werdenden Trachtenschneider in den umliegenden Gemeinden, fahren die Seefelder sogar bis nach Garmisch, um ihre wertvolle – fast schon museumsreife – Tracht zu erhalten. Ihre unverwechselbare professionell geschneiderte Maßanfertigung tragen sie voller Stolz.

Leider wird es immer schwieriger, die wertvollen Stoffe zu bekommen, da es immer weniger Firmen gibt, die solch edle Stoffe anbieten.

Zwar gibt es in der Region Seefeld eine gemeindeübergreifende Plateautracht, aber trotzdem findet man zusätzlich noch unterschiedliche Trachten der verschiedenen Vereine.

Die typische Seefelder Plateautracht

Die gemeindeübergreifende Pleateautracht besteht aus einem blauen Miedergewand, einem schwarzen Rock und einer goldenen Schürze oder aus einem rotem Mieder und einer blauen Schürze. Typisch für die Seefelder Plateautracht sind vor allem die sogenannten Schinkenärmel der Bluse. Bei Männern besteht die traditionsreiche Tracht aus einer kurzen, blauen Joppe, einem blauen Sakko und einer langen dunklen Hose. Die Seefelder Plateautracht ist bekannt für ihre raffinierten Details, wie gestickte Blumen oder feine Goldborten. Natürlich gibt es auch noch eine spezielle Sonntags- und Wintertracht.

Dr. Angelika Neuner bezeichnet die Seefelder Schnürmiedertracht – ein Element aus der spanischen Hofmode – als „lebendige Tracht“. Sie wird gerne, aber vor allem mit Stolz und Würde getragen und der Zeit immer wieder angepasst.

Die Tracht: Kein Outfit für jeden Tag

Egal wie oft man seine geliebte Tracht am liebsten tragen würde, es heißt Acht geben, denn die edlen Materialien können nur chemisch gereinigt werden. Für die feucht-fröhlichen Feste bietet sich also eher die modische Trachtenmode an. Diese sagt übrigens weder etwas über die Herkunft noch über den Familienstand des Trägers aus, doch es gibt sie in allen Farben, Stoffen und Designs – es ist also für jeden Geschmack etwas dabei!

Eine modische Alternative

Eine traditionelle Festtagstracht kann man somit leider nicht kaufen, doch solltet ihr noch auf der Suche nach einem feschen Dirndl oder einer schicken Lederhose für das nächste Volksfest sein, werdet ihr sicherlich hier fündig:

Der gut gefüllte Veranstaltungskalender der Region Seefeld bietet viele Gelegenheiten, die Tracht auszuführen und zu bewundern. Einer der schönsten Anlässe: das jährliche Handwerksfest. Hier treffen sich zahlreiche Handwerker:innen immer am 2. September-Wochenende in Seefeld, um ihre Handwerkstraditionen aufrecht zu erhalten und zur Schau zu stellen. Zwei ganz besondere Highlights: der alljährliche Trachtenumzug mit rund 800 „Trachtlern“, die vielfältigste Trachtenkleider aus dem ganzen Alpenraum tragen. Auch die Sonderausstellung zum Thema „Alles zur Tracht“ bietet Einblick in das fast vergessene Handwerk. Außerdem gibt’s beim Handwerksfest echte Volksmusik, eine historische Traktorenparade und einen Bauernmarkt, bei dem regionale und am Markt produzierte Waren angeboten werden.


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Fotos: Thomas Steinlechner, Raphael Chrysochoidis, zeit.los/ eco.nova, Stephan Elsler

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