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Wunderwelt Winter: Auf den Spuren seltener Schönheit

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22. November 2022

Bei kalten Temperaturen trifft Physik auf Ästhetik: Wenn der Frost die Luftfeuchtigkeit um den Gefrierpunkt an ihre physikalischen Grenzen treibt, lassen sich seltene Winterphänomene besonders gut beobachten. Etwa, dass es im frischen Powder keine zwei gleichen Schneeflocken gibt, warum Fische unter Wasser Glöckchen klingen hören oder, dass es in Tirol auch mal in Rosa schneit. Und auch sonst ist der Winter im wahrsten Sinne eine eigene Wissenschaft.

Leise rieselt der Schnee…

Generell gilt: Wenn es kalt wird, sinkt die Schallgeschwindigkeit. Fällt die Temperatur etwa von 20 Grad plus auf minus 10 Grad Celsius, sinkt auch die Schallgeschwindigkeit von 343 Metern pro Sekunde um 20 Meter ab. Was wir im Schnee davon bemerken, ist, wie still es im Winter wird. Weil sich die Schallwellen quasi zwischen den Kristallen verlaufen, schluckt frischer Schnee Geräusche ganz besonders gut. Je älter, nasser und schwerer der Schnee allerdings wird, desto weniger Hohlräume gibt es zum Verlaufen – dann kommt auch die Lautstärke zurück. Mit dem Sound of Seefeld kann man dem Winter auf Tirols Hochplateau übrigens überall lauschen – sogar im Sommer.

…still und starr ruht der See

Professor Lawrence Crum von der University of Washington analysierte das leise Rieseln der Schneeflocken auf einem See sogar mithilfe von Hydrophonen. Ungefähr jede zehnte Flocke verursacht dabei ein Geräusch von bis zu 100 Kilohertz. Hell und klar, fast wie ein kleines Glöckchen. Für Fische klingt Schneefall also wie weihnachtliches Glockenläuten – beim Eisfischen am Leutascher Weidachsee kann man auch selbst mal ganz genau hinhören.

Der Hund am Himmel

Schweben in der eisigen Hochatmosphäre genug winzige Eiskristalle, kommt es zu einem optischen Brechungsphänomen mit sogenannten Nebensonnen: Neben der Sonne zeigt sich – besonders gut an klirrend kalten Wintertagen – ein Strahlenkranz. An den Seiten links und rechts der Sonne, etwa im 45-Grad-Winkel, befinden sich zwei weitere, helle Punkte, die wie Minisonnen aussehen. Dieses Phänomen nennt man auch sundogs – also Hunde, die die Sonne verfolgen. Ein begehrtes Fotomotiv, für das man aber zur richtigen Zeit am exakt richtigen Ort und dann auch noch im idealen Winkel sein muss.

Rosa Schnee & Himmelsfeuer

Eine weiße Landschaft, eingetaucht in atemberaubendes Abendrot. Um das zu erleben, braucht man vor allem eins: Staub. Je höher der Staubgehalt der Atmosphäre, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man einen „brennenden Himmel“ erlebt. In Tirol ist es vor allem der Saharastaub, der für dieses Phänomen sorgt. Übrigens ist eben dieser Staub eine der Hauptnahrungsquellen für die Bakterien am Gletscher. Und wenn die Wolken den roten Staub schließlich in Schneekristallen einfangen, schneit es in den Tiroler Alpen auch mal Rosarot.

Form und Flocke

Die Form von Schneekristallen ist ihren physikalischen Eigenschaften geschuldet. Zwar hält die Grundform starr am euklid’schen Hexagon (Sechseck) fest, doch innerhalb des Reglements erlaubt sich die Norm verspielte Vielfältigkeit und erstaunliche Individualität. Dass keine Schneeflocke der anderen gleicht, stimmt statistisch tatsächlich: Es gibt auf der Erde sogar mehr mögliche Kristallformen als Atome im ganzen Universum.

Frosting für Frühaufsteher

An manch eisigen Wintermorgen findet man die Bäume der Region Seefeld von tausenden funkelnden Eiskristallen überzogen. Ein seltenes Phänomen, das nur unter perfekten Bedingungen in frostigen Nebelnächten entsteht und die Luftfeuchte an Stämmen und Ästen zu bizarren Strukturen friert. Frosting heißt auf Englisch Zuckerguss und passt hier tatsächlich ziemlich gut. Mit den ersten Sonnenstrahlen löst sich das Spektakel im wahrsten Sinne aber schon wieder in Luft auf – Frühaufsteher belohnt der Wintermorgen auf Tirols Hochplateau so aber manchmal mit einem ganz besonders seltenen Funkeln.

Mysteriöse Schneerolle

Mindestens ebenso selten und seltsam sind die sogenannten Schneerollen, die sich wie von Zauberhand in schneebedeckten Hängen bilden. Entfernt erinnern die Gebilde zwar an Heuballen, nur in der völlig falschen Jahreszeit. Findige Spurenleser sehen vielleicht sogar einen halbfertigen Schneemann dahinter, doch dafür sind die Löckchen tatsächlich viel zu luftig und zart. Vermutet wird, dass kräftige Windböen eine angesetzte Schneedecke bei Hügelkuppen heimlich anheben, umklappen und hangabwärts vorsichtig zusammenrollen. Vielleicht sogar nur, damit wir beim Spazierengehen im Schnee schon wieder was zum Staunen haben.

Der finnische Tykkylumi

Für seltene Schneephänomene ist der hohe Norden genau der richtige Ort, doch auch auf Tirols Hochplateau wird es im Winter echt nordisch: Dann kann man auch in den alpinen Höhenlagen der verschneiten Region Seefeld den sogenannten Tykky-Schnee bestaunen, für den es auf Deutsch gar keine Übersetzung gibt. In Finnland beschreibt man damit aber eine ganz spezielle Schneekonsistenz, die sich voluminös und fest an die Bäume klebt und als Tykkylumi (Schneekerzen oder Schneekronen) zu abenteuerlichen Formen friert.

Weißt du, wie viel Sternlein stehen?

Grundsätzlich gilt: Je weiter weg von den Lichtern der Zivilisation, desto eindrücklicher und schöner der Sternenhimmel. Wo kalte Luft aus Gründen der Thermodynamik weniger Feuchtigkeit und Staub binden kann, fängt sich weniger Lichtsmog, infolge sieht man Sternbilder im Winter deutlich besser. Darum ist der Winter die perfekte Jahreszeit, um sich mit Himmelskunde zu beschäftigen oder einfach einen nächtlichen Schneespaziergang unter unzähligen Sternen zu genießen. In der Region Seefeld übrigens wahlweise als gemütlicher Schneespaziergang oder sogar als geführte Nacht-Schneeschuhwanderung möglich.


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Pics: Zeit.los, Region Seefeld, Heinz Zak, Mathias Obmascher, Johannes Geyer, Moritz Klee & Stefan Wolf

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