Home
Arbeiten & Leben

Skilehrer müsste man sein …

Autor:
5. Dezember 2022

… dann würden einem die Frauenherzen nur so zufliegen. Ist das tatsächlich so? Oder gehört der altbekannte Mythos der Vergangenheit an?

Zugegeben, es gibt in der Tat schlimmere Jobs, als die Wintertage auf der Piste zu verbringen, mit schicken Uniformen die Pisten hinunterzuwedeln und lernwilligen Gästen aus nah und fern das Skifahren beizubringen. Das gilt schon mal für Frauen und Männer gleichermaßen. Weitere wesentliche Zutaten für die Ausübung der Skilehrertätigkeit sind Freundlichkeit, Geduld, Verständnis und vor allem die Freude, mit Menschen umzugehen. Und natürlich nicht zu vergessen: die entsprechende Qualifikation.

„Wir haben in Österreich die strengste Ausbildung“, weiß Ulrich Strauß, Leiter der Skischule Alpinpower in Seefeld.

Schneesportlehrer nennen sich die altbekannten Skilehrer neuerdings, denn nicht nur die Skiindustrie erfährt laufende Weiterentwicklungen, sondern auch der Skilauf an sich. So hat sich bei der Jugend längst der Trendsport Freeski durchgesetzt und auch Slopestyler und Freerider sind aus unseren Skigebieten nicht mehr wegzudenken. Der Schön- und Gesundheitsskilauf auch nicht.

Der Ausbildungsweg führt vom Skilehreranwärter über den Landesskilehrer und Diplom- oder staatlichen Skilehrer bis hin zum Skiführer. Der Krönung. Schon beim Anwärterkurs spielen neben der skitechnischen Ausbildung der pädagogisch richtige Umgang mit Kindern sowie die alpine Sicherheit eine große Rolle. So weit, so gut. Skilehrern kann also schon mal nicht jeder.

Aber wie steht es nun um das Image der Skilehrer? Haftet ihnen immer noch das Image der Herzensbrecher an? Da muss Uli Strauß schon ein wenig lachen. „Also der Ballermann ist bei uns in Seefeld komplett von der Bildfläche verschwunden. Der Mythos, dass das Après-Ski zu unserem Job dazugehört, ist schon lange nicht mehr der Fall. Das war vielleicht vor 30 oder 40 Jahren so“, räumt der langgediente Skilehrer ein. „Heute hat der Gast ganz andere Ansprüche, die Aufenthaltsdauer ist wesentlich kürzer und man will die wertvolle Urlaubszeit intensiv nutzen.

Eltern genießen gerne ihre Zeit auf der Piste, während die Kinder im Skikurs bestens betreut sind und in der Gruppe mit Spaß das Skifahren erlernen. Nach dem Skikurs gehen die Gäste heute lieber Schneeschuhwandern oder nutzen ihr Wellnessangebot im Hotel. Dass man mit der ganzen Gruppe täglich beim Après-Ski die Runden schmeißt, stimmt schon lange nicht mehr“, erzählt Uli. Er weiß aber auch noch von anderen Zeiten zu berichten, wo es durchaus üblich war, nach dem Skikurs in der Gruppe feiern zu gehen.

„Früher kannten wir unsere Gäste schon, da viele jedes Jahr wiederkamen. Da waren wir viel mit der ganzen Gruppe unterwegs und es sind einige Runden gegangen. Und ja, natürlich kam es auch vor, dass wir die ein oder andere Freundschaft hatten“, schmunzelt Uli und ergänzt: „Natürlich bevor wir verheiratet waren. Geflirtet ist sowieso immer geworden, das gehört zu unserem Job dazu. Ich kann mich an ein paar Liebschaften erinnern, die heute noch verheiratet sind, wo meine Kollegen der Liebe wegen nach Deutschland oder Holland gezogen sind.“

Ulis Skilehrerlaufbahn begann noch während seiner Schulzeit an der HTL in Fulpmes in den Weihnachts- und Semesterferien 1976. Einmal Feuer gefangen, absolvierte er zügig alle möglichen Ausbildungen bis zum staatlichen Skiführer und war bis vor fünf Jahren in der Skischulgesellschaft Seefeld tätig.

Toni Seelos war mein langjähriger Mentor. Aus seiner Skischule sind alle heute in Seefeld ansässigen Skischulen herausgewachsen.“

Toni Seelos beim Skifahren

2017 hat Ulrich Strauß mit seinem Bruder und zwei befreundeten Gesellschaftern die Skischule Alpinpower gegründet. Die Geschichten, die er aus seinem Leben erzählen kann, sind zahlreich. Viel bleibender sind für Uli die zahlreichen Freundschaften, die sich über die Jahre entwickelt haben. „Wir waren mit Jordaniern wochenweise in Seefeld und anderen Skigebieten unterwegs, haben ihren Kindern das Skifahren beigebracht und wurden dann nach Jordanien eingeladen. Zu einigen Gästen haben wir heute noch guten Kontakt. Es ist schon schön, wenn sich aus ein paar Skistunden so langfristige Freundschaften ergeben.“

Bei der Auswahl seiner Skilehrer in der Skischule Alpinpower achtet Uli Strauß besonders darauf, wer seine Stärken bei welchen Schülern am besten einsetzen kann. „Das ist das Geheimnis unseres Erfolges, dass wir die Skilehrer in den Bereichen einsetzen, wo sie auch gut sind. Zudem haben wir aus den Fehlern von früher gelernt und zahlen unsere Skilehrer gut und behandeln sie auf Augenhöhe. Das ist unser Stil und ich glaube, der Erfolg gibt uns Recht“, ist Uli überzeugt.

Eine reine Männerdomäne ist der Skischulbetrieb schon lange nicht mehr, ebensowenig wie das Alter eine Rolle spielt. Von der 17-jährigen Schülerin bis zum junggebliebenen und rüstigen Pensionisten: Skilehrer brauchen neben ihrer skitechnischen Qualifikation vor allem eine gute Motivationsgabe und eine gute Menschenkenntnis. „Neben unseren 15 bis 20 hauptberuflichen Skilehrern und Skilehrerinnen beschäftigen wir auch viele Studenten und Studentinnen.“

Und was macht ein Skischulleiter im Sommer? „Seit über 30 Jahren bin ich in den Sommermonaten am Golfplatz in verschiedensten Funktionen tätig. Als Leiter der Skischule beginnt die Arbeit allerdings schon im Sommer mit diversen Vorbereitungen wie Preisgestaltung oder Prospekterstellung. Und im Winter ist es jeden Tag in der Früh aufs Neue spannend, ob alle Lehrer und Lehrerinnen anwesend sind und sämtliche gebuchten Kurse und Stunden stattfinden können. Umso schöner ist es, wenn alles reibungslos funktioniert und unsere Gäste einen schönen Skitag genießen können“, freut sich Uli schon auf den heurigen Winter. Die Buchungslage schaut gut aus und einem erfolgreichen Winter steht hoffentlich nichts mehr im Weg. Ob sich so viele Liebesgschichterl ergeben werden wie früher, das sei jetzt mal dahingestellt. Vielleicht erlebt ja auch der Mythos der Skilehrer als Herzensbrecher irgendwann wieder seine Renaissance.

Das könnte dir auch gefallen:

Skifahren in der Region Seefeld: alle Skigebiete im Überblick

Auf glühenden Kufen: Die schönsten Rodelstrecken in der Region Seefeld – Tirols Hochplateau


Fotos: Zeit.los, Region Seefeld, Burnz Neuner, Stephan Elsler, Tom Bause, Andreas Friedle

Tags: , , , , , , , ,

#visitseefeld